Am Donnerstag, 10. September 2026, fand der sportsbusiness.at Breakfast Club gemeinsam mit dem Wien Energie Business Run statt. Es war bereits die 34. Ausgabe des beliebten Netzwerkformats, das dieses Mal auch live auf der kostenlosen Streamingplattform JOYN gestreamt wurde.
Der Wien Energie Business Run feiert 2026 sein 25-jähriges Jubiläum. Ein Vierteljahrhundert, in dem sich nicht nur der Laufsport verändert hat. Die Arbeitswelt wie auch die Medienlandschaft haben sich neu erfunden, Gesundheit und Bewegung sind zu strategischen Themen geworden und Unternehmen stehen heute mehr denn je im Wettbewerb um Talente, Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit.
Welche Entwicklungen der letzten 25 Jahre haben sich bewährt? Welche Erfolgsfaktoren sind heute wichtiger denn je? Und was können Wirtschaft, Sport und Politik voneinander lernen, wenn es darum geht, Organisationen zukunftsfit aufzustellen?
Diese und noch mehr Fragen diskutierten im Rahmen des sportsbusiness.at Breakfast Clubs hochkarätige Persönlichkeiten aus Sport, Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Medien und Politik. Am Podium vertreten waren Renate Anderl (Präsidentin der Arbeiterkammer Österreich), Johannes Kopf (Vorstandsvorsitzender des AMS), Patricia Neumann (Vorstandsvorsitzende Siemens Österreich AG), Adi Niederkorn (Sportreporter ORF), Günther Weidlinger (ehemaliger Langstrecken- und Hindernisläufer, sportlicher Leiter & Organisator des Linz Donau Marathon), Gerhard Wehr (Geschäftsführer Business Run Eventorganisation GmbH) und Sascha Zabransky (Geschäftsführer Wien Energie). Moderiert wurde der sportsbusiness.at Breakfast Club von Andy Marek.
Die besten Fotos






























Die besten Aussagen:
Renate Anderl (Präsidentin Arbeiterkammer Österreich) über …
… die Arbeitswelt: „Die Arbeitswelt hat sich verändert. Es gibt noch jene, die eine Lehre angefangen haben und bei demselben Betrieb in Pension gehen. Die Jugend ist aber flotter unterwegs, aus verschiedenen Gründen. Viele wollen sich weiterentwickeln, Arbeitszeitflexibilität und Gehalt sind auch wichtig. Unterbrechungen im Lebenslauf würde ich nicht negativ sehen. Heute werden viele Qualifikationen bei verschiedenen Arbeitgebern positiv bewertet.“
… Kommunikation auf Augenhöhe: „Respekt und Wertschätzung sind enorm wichtig. Jeder im Unternehmen macht seine Arbeit. Das gilt nach oben und nach unten. Wertschätzung ist wesentlich, das hat damit zu tun, ob sich die Mitarbeiter:innen wohl fühlen und gern ins Unternehmen kommen.“
… die Teilnahme am Business Run:„Wir sind als Arbeiterkammer sehr gerne mit dabei. Beim Sport sind wir ein Team, da gibt es keine Hierarchien. Sonstige Tools sind etwa Bowling Spielen zu Weihnachten. Sport – heute laufe ich, morgen spiele ich Badminton, am Samstag Padel – hat immer mit Teams zu tun. Ich bin überzeugt, dass eine Person alleine nichts bewegen kann – aber im Team sind wir sehr stark.“
… modernes Recruiting:„Ich würde mir wünschen, dass viele junge Leute Chance auf eine Lehrstelle haben, egal welchen Migrationshintergrund sie haben. Wir merken, dass diese weniger Chancen bekommen, aber man sollte ihnen eine geben.“
Johannes Kopf (Vorstandsvorsitzender des AMS) über …
… den schneller drehenden Arbeitsmarkt und Menschen, die bei einem Unternehmen in Pension gehen:„Die Lebensläufe unserer Großeltern gibt es so nicht mehr. Es gibt viele Arbeitsplatzwechsel und das ist heute normal. Es geht nicht nur um Beständigkeit, sondern um Weiterentwicklungsmöglichkeiten.“
… die sich ändernde Arbeitswelt: „Es geht darum, dass nicht nur die Arbeitnehmer sich präsentieren, sondern auch die Arbeitgeber sich attraktiv darstellen. Ich bin auch DJ – früher mussten die Arbeitnehmer tanzen, heute auch die Unternehmen. Es geht zudem um soziale Aktivitäten wie den Business Run – die Teilnehmeranzahl hat sich verzwölffacht. Ich bin froh, dass ich beim AMS kein solches Wachstum habe.“
… das, was einen Arbeitnehmer in Zukunft attraktiv macht: „Zahlen Sie ihre Leute ordentlich, dann kümmern Sie sich um alle anderen Themen. Ein Industrieller sagte zu mir: Früher wollten die Menschen einen Laptop, ein Handy und einen 3er-BMW. Heute wollen Sie CSR-Konzepte, Papamonat und Vereinbarkeit. Auch Sinn in der Arbeit ist ein Thema. Die Jungen wollen hackeln – es geht sehr stark um das Warum und Wie. Das bedeutet eine lebensphasenorientierte Personalarbeit. Einem mit kleinen Kindern sind andere Dinge wichtig als jemandem, dem es um Karriere geht.“
Patricia Neumann (Vorstandsvorsitzende Siemens Österreich AG) über …
… technologische Entwicklungen und Planungszyklen:„Bis Neuerungen in die Breite kommen, dauert es heute nicht mehr so lange. Die Dampf-Lokomotive brauchte 60 Jahre, die Elektrizität 30, der Computer 15, das Internet noch kürzer und die KI Monate oder Tage. Die Geschwindigkeit ist mittlerweile extrem hoch. Darum muss man in verschiedenste Richtungen planen. Wichtig ist zudem, dass eine technologische Entwicklung einen Nutzen haben muss.“
… Beständigkeit: „In der Vergangenheit hat man viel zurückgeblickt. Heute schauen wir auf das Potenzial und was möglich sein wird. Beständigkeit bedeutet für mich eher, dass ich mich auf eine Technologie oder ein Wertesystem verlassen kann. Und wenn ein Unternehmen viele Perspektiven bietet, ist das gut. Berufswechsel sind positiver besetzt als früher.“
… Kommunikation: „Wir benutzen viele Kanäle, die Kunden informieren sich, bevor sie mit Technikern sprechen. Aktuell nutzen wir traditionelle und neue Medien. Wichtig ist Konsistenz. Die Art der Kommunikation ist dann auf die Zielgruppe abgestimmt.“
… die Teilnahme am Business Run: „816 Teilnehmer:innen ist für uns Rekord. Es geht darum, mehr als nur ein Arbeitgeber zu sein, denn die Menschen verbringen dort viel Zeit mit Menschen, mit denen sie nicht verwandt und befreundet sind. Aber Zusammengehörigkeit gehört zum Arbeiten. Sport kommt bei unseren Mitarbeiter:innen gut an und der Business Run ist ein großes Fest.“
… Technologie und Veränderung: „Ich bin dafür, dass Technologie uns einen Nutzen bringt, ich bin eine Verfechterin von Digitalisierung und Automatisierung. Aber Technologie alleine wird keine Probleme lösen. Es braucht the human in the loop, also Verbindung von Mensch und Technologie.“
Adi Niederkorn (Sportreporter ORF) über …
… Jobwechsel: „Mein Sohn ist über 30 und wechselt den Job, wenn er keine Perspektive mehr sieht. Mit Mentalität oder zu wenig Loyalität hat das aber meiner Meinung nach nicht zu tun. Alles ist schnelllebig, warum nicht auch der Job? Als ich angefangen habe, gab es nur den ORF. Ich wollte immer Radio-Reporter werden.“
… die Veränderung der Medienlandschaft: „Die Job Description ist heute ganz anders. Am Anfang habe ich auf Tonband gesprochen, dann auf Kassetten. Heute ist alles innerhalb von zehn Sekunden vom Laptop im Funkhaus. Der Umgang mit den Sportlern hat sich komplett verändert. Ich bekam damals noch ein Einzelinterview mit Diego Maradona. Vereine und Verbände setzen auf Message Control, Negatives wird aus Interviews rausgeschnitten. Es gibt wenige Sportler:innen wie Felix Neureuther oder Manuel Feller, die noch Ecken und Kanten haben. Die Multimedialität führt zudem zu einem Einheitsbrei. Die Zeitungskollegen machen mittlerweile auch TV. Aber wenn einer Radio, ein anderer Fernsehen, ein weiterer Online macht, gibt es drei Zugänge. Eine Exklusivgeschichte ist nach 20 Minuten in allen Medien zu lesen. Das ist für Konsumenten super, für uns Journalisten nicht so gut.“
Günther Weidlinger (ehemaliger Langstrecken- und Hindernisläufer, sportlicher Leiter & Organisator des Linz Donau Marathon) über …
… das Organisieren eines Wettkampfs und Parallelen zur Arbeitswelt: „Am Tag der Veranstaltung sieht man das Ergebnis der Vorbereitung. Das ist eine Parallele zur Arbeit. Ich kann als Trainer das Tempo vorgeben, wenn die Athleten das nicht umsetzen können, kommt nicht das Richtige heraus. Dabei ist Fehlerkultur wichtig. Und entscheidend ist auch das Team, man braucht Kommunikation mit der Mannschaft und den Partnern.“
… Leistungsfähigkeit und Motivation:„Es ist wichtig, dass wir die Mitarbeiter:innen fordern, herausfordern und fördern, aber auch die nötige Erholung gönnen. Man muss nicht immer 110 Prozent fahren, sondern kann auch einmal auf 90 Prozent fahren. Der Erfolg im Leistungssport entsteht nämlich durch die Kombination von Be- und Entlastung.“
Gerhard Wehr (Geschäftsführer Business Run Eventorganisation GmbH) über …
… Sportveranstaltungen als Events: „Wir stehen im Wettbewerb der Storyteller und müssen die besten Stories abliefern und Entertainment bieten. Wir müssen die Themen für viele andere Ressorts als Sport aufbereiten. Man muss viel mehr tun, als Start, Strecke und Ziel zu organisieren.“
… Wien Energie: „Es ist wichtig, einen Partner zu haben, der so lange und intensiv an unserer Seite steht. Wir leben von vielen Partnern, wir haben über 20, es sind einige neue dazu gekommen. So bleiben wir attraktiv. Es gibt mit Norqain, Turkish Airlines oder Bosch auch internationale Partner.“
… Learnings aus 25 Jahre Business Run: „Es geht um Begeisterung für die Menschen, die mitmachen und dass wir eine starke Plattform abseits des Berufsalltags bieten. Denn der Business Run ist eine Plattform, die man teilen kann. Das machen wir und wollen Gutes tun. Wir haben mit der Tafel Österreich seit mehreren Jahren eine Kooperation. Mit der VinziRast gibt es heuer einen zweiten Partner. Wir wollen dieses Thema weiter ausbauen.“
… die Vision: „Es geht darum, dass wir acht Tage auf- und drei Tage abbauen. Das ist eigentlich ein Wahnsinn. Vielleicht gibt es in Zukunft einen mehrtägigen Event. Etwa: Donnerstag Business Run, Freitag ein Lauf für die Schule, am Samstag für Pensionisten und am Abend ein Konzert, zum Abschluss am Sonntag ein Multikulti-Frühshoppen. Die Technik könnte länger benutzt werden.“
Sascha Zabransky (Geschäftsführer Wien Energie) über …
… technologische Entwicklungen und Planungszyklen: „Es geht um eine klare Vision und Vorstellung, wie die Zukunft aussehen soll. Wir wollen die Klimaneutralität in Wien 2040 schaffen. Das Energiesystem der Zukunft ist ein ‚Orchester‘ mit vielen verschiedenen Technologien. Dieses muss zusammenspielen und es macht uns unabhängig von globalen Energiepreisen.“
… Beständigkeit: „Die neue Beständigkeit ist der Wille zur Weiterentwicklung. Diversität ist auch sehr wichtig. Um im Team eine große Vision umsetzbar zu machen, braucht es Menschen, die kurz und lang im Unternehmen sind.“
… die Teilnahme des Unternehmens am Business Run: „Wir bringen 2.500 Teilnehmer:innen an den Start. Was bedeutet das für uns in Zusammenhang mit Team und Unternehmenskultur? Man kann Unternehmenskultur nicht nur als Bild an die Wand hängen. Man muss sie am Arbeitsplatz erleben. Wenn das, was wo steht, nicht mit dem zusammenpasst, was man lebt, spüren die Mitarbeiter:innen das. Beim Business Run geht es auch darum, gemeinsam und auf Augenhöhe ohne Hierarchie etwas zu erreichen.“
… 25 Jahre Sponsorship: „Es steht ein Wert dahinter. Es hat jedes einzelne Jahr Sinn gemacht. Wir machen es nicht pro forma, sondern weil wir mit dem Herz dabei sind und attraktiv für neue Mitarbeiter:innen sein wollen. Der Business Run ist eine gute Kommunikationsmaßnahme.“