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Thomas Gruber: „Joyn erreicht Zielgruppen, die nicht mehr klassisch erreichbar sind“ [Exklusiv]

(c) Bernhard Eder

In den vergangenen Monaten hat die Puls 4-Gruppe ihr Sportengagement intensiviert: In der Nacht von Sonntag auf Montag verkündete der Privatsender stolz, dass ab 2027 auch die Australian Open bei Puls 4 und Joyn zu sehen sein werden. Programmgeschäftsführer und Co-CEO Thomas Gruber spricht im sportsbusiness.at-Interview ausführlich über die Hintergrunde und die Sportstrategie der Sendergruppe.

+ + sportsbusiness.at exklusiv - von Georg Sohler und Michael Fiala + +

Die ProSiebenSat.1 Puls 4-Gruppe verfügt über Sportrechte in den Bereichen Tennis, Fußball bis hin zu Rugby und Darts. Als Programmgeschäftsführer verantwortlich zeichnet Thomas Gruber. Er gibt tiefe Einblicke in die Welt der Sportrechte, spricht über den Mehrwert der Verbindung von linearem Fernsehen und der Streaming-Plattform Joyn und notwendige Kooperationen, um den Medienstandort zu sichern.

sportsbusiness.at: Spricht man über Sport, wird oft das sprachliche Bild des (digitalen) Lagerfeuers bemüht. Inwiefern stimmt das und wie wichtig ist es als rot-weiß-roter Sender, Spitzensport aus verschiedensten Sportarten allen – also ohne Paywall – zugänglich zu machen?

Thomas Gruber: Livesport ist nach wie vor ein wichtiger Treiber für das lineare Fernsehen – unabhängig davon, ob über einen TV-Sender oder via Streaming. Das war erst vergangenes Wochenende bei den US Open Finalspielen live bei uns ersichtlich, wie sehr der Sport Menschen vor dem Endgerät vereint. Unser Anspruch ist es, Spitzensport kostenlos in die Haushalte zu liefern, denn die Kosten steigen in allen Bereichen des Lebens und gerade am mitunter unübersichtlichen Sportmarkt hat man dann nur eine gewisse Anzahl an kostenpflichtigen Streaming-Diensten. Gleichzeitig ist es uns wichtig, den Werbepartnern ein attraktives Umfeld rund um unsere Sportübertragungen zu bieten.

sportsbusiness.at: Sport mit eigenen Rechten war bei Joyn bis vor einiger Zeit eher ein Nischenprodukt. Was hat diesen Wandel hervorgerufen?

Gruber: Ich würde es nicht als Wandel bezeichnen. Sport war neben klassischen Public-Value-Inhalten und Entertainment-Formaten immer ein wichtiger Teil unseres Programms. Das Sportbudget war kleiner geworden. Jetzt haben wir in relativ kurzer Zeit unser Angebot erweitert beziehungsweise verlängert. Wir profitieren natürlich auch von den Rechten, die konzernintern vorhanden sind, wie etwa der Deutschen Fußball-Bundesliga und dem Franz-Beckenbauer-Supercup zwischen Bayern und Dortmund – dies hat im Sommer extrem starke Quoten generiert.

Wir wollen unser Angebot kostenlos halten und wollen auch nicht in direkte Konkurrenz mit Pay-TV-Anbietern gehen. Lineares Fernsehen ist unser Reichweitenmotor, Joyn das digitale Powerhouse.

Thomas Gruber, Co-CEO ProSiebenSat.1 Puls 4

sportsbusiness.at: Wird Joyn mittel- bis langfristig frei zugänglich bleiben oder kann es sein, dass Teile hinter eine Bezahlschranke fallen?

Gruber: Wir wollen unser Angebot kostenlos halten und wollen auch nicht in direkte Konkurrenz mit Pay-TV-Anbietern gehen. Lineares Fernsehen ist unser Reichweitenmotor, Joyn das digitale Powerhouse – diese beiden Welten wollen wir im Sportbereich miteinander verbinden. Insofern verneine ich eine generelle Bezahlschranke, aber es kann sein, dass es Partner gibt, die uns auch in der Beziehung als Aggregator sehen.

sportsbusiness.at: Wie kann man sich das vorstellen? Dass beispielsweise Sky sagt: Okay, der LASK ist im Champions-League-Viertelfinale, wer will, kann bei Joyn ein Einzelspiel kaufen?

Gruber: Genau, wenn jemand unsere Weiterleitungsfunktion haben will oder Pay-per-View, wäre das eine Möglichkeit.

sportsbusiness.at: Die Zuseher:innen sind von Puls 4 weniger Sport gewohnt als derzeit geboten wird. Welche Rolle spielt Sport künftig im Programm-Mix?

Gruber: Puls 4 soll unser Sportsender sein – das war in der Vergangenheit nicht immer so klar. Bei Tennis ist das mitunter schwierig, weil die Länge und Beginnzeiten der einzelnen Matches bzw. das Wetter bei Grand Slams nicht planbar ist. Wir wollen aber unseren Livesport so oft als möglich auch linear auf Puls 4 zeigen – und parallel auf Joyn.

sportsbusiness.at: Welche Stars funktionieren denn gegenwärtig sehr gut und welche Rolle spielen unsere Topspielerinnen?

Gruber: Sowohl die Top-5-Spieler:innen, als auch gewisse Außenseiter:innen, sorgen für entsprechende Quoten im TV und starke Reichweiten auf Joyn. Und unsere Topspielerinnen sorgten nicht nur für Furore, sondern auch für viel Aufmerksamkeit, weil die Österreicher:innen natürlich den heimischen Sportler:innen die Daumen drücken. Je länger sie im Turnier bleiben, umso besser und umso stärker rücken sie in den Fokus der Berichterstattung. Das ist bei allen Sportarten ein Reichweitenboost.

Nachwuchsstar Lilli Tagger bei den US Open (c) GEPA pictures/ ZUMA Press/ Mathias Schulz

sportsbusiness.at: Welche direkten Effekte gibt es durch diese Sportrechte – sprich: Wie erweiterte sich konkret der Seher:innenkreis durch die neuen TV-Rechte?

Gruber: Als Sendergruppe hatten wir schon diverse Sportrechte, etwa [...]

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