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fairplay-Expertin Hanna Stepanik über die WM: „Sponsoren können Zeichen setzen“ [Exklusiv]

(c) Stephan Doleschal

fairplay macht rund um Großereignisse auf Menschenrechtsprobleme in den austragenden Ländern aufmerksam. Expertin Hanna Stepanik erklärt im sportsbusiness.at-Interview, worauf man bei der WM 2026 achten soll. Der Schwerpunkt liegt auf oftmals übersehenen Themen.

+ + sportsbusiness.at exklusiv - von Georg Sohler + +

Der Fußball ist in den kommenden Wochen im Rahmen der Weltmeisterschaft 2026 zu Gast bei Freunden. Zumindest war das die Perspektive, als die FIFA die Weltmeisterschaft 2026 am Vortag des Eröffnungsspiels in Russland 2018 verkündete.

Damals war noch Joe Biden Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Donald Trump als sein Nachfolger steht unter anderem wegen seiner autoritären Tendenzen, dem Angriff auf den Iran und des Umgangs mit Migration in der Kritik. Für Sponsoren und Verbände entsteht dadurch ein Spannungsfeld zwischen globalem Eventmarketing und gesellschaftspolitischer Verantwortung.

Offensichtliche Bedrohungen

Der Einwanderungsbehörde ICE (United States Immigration and Customs Enforcement) werden mehrere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen – am schockierendsten sind die Tötungen von Renée Good und Alex Pretti, die auf Video dokumentiert sind. Und nicht alle Fans dürfen anreisen. Die USA führen eine Liste mit rund 40 Nationen, aus denen niemand einreisen darf. Darunter befinden sich auch die Teilnehmernationen Haiti und Iran. Andere müssen ihre Social-Media-Daten offenlegen beziehungsweise befürchten, interniert zu werden. Genau auf diese Themen legt die fairplay Initiative den Fokus.

Doch nicht nur darauf und nicht nur auf die USA, wie Expertin Hanna Stepanik im sportsbusiness.at-Interview erklärt. Wichtig ist zunächst eine Einordnung. Sie sagt vorneweg: „Wir wollen den Menschen die WM nicht schlecht reden oder gar verbieten, sie zu schauen. Aber man kann derartige Großereignisse nutzen, um auf Schieflagen hinzuweisen.“ Ein Thema wird laut fairplay besonders häufig übersehen – und betrifft nicht nur die Trump-USA, sondern auch Mexiko und das vermeintliche Vorzeigeland Kanada. Darauf will man rund um die WM hinweisen.

Übersehene Konflikte

Die Rechte der indigenen Bevölkerung werden in den USA, Mexiko und Kanada bis heute nicht ausreichend geachtet. Zwar ist die Umsetzung der Rechte der Pueblos Indígenas in Mexiko rechtlich bindend, in der Praxis gibt es jedoch massive Defizite. Auch die kanadischen First Nations bzw. Premières Nations, Inuit und Métis sind weiterhin mit strukturellen Problemen konfrontiert. (Die Métis entwickelten im 18. und 19. Jahrhundert aus dem Kontakt europäischer Pelzhändler und indigener Frauen eine eigenständige Identität, Anm.)

Prominent sind hierbei neben der zwangsweisen Unterbringung indigener Kinder in staatlichen Schulen bis ins Jahr 1996 die Konflikte rund um Rohstoffprojekte. First Nations wehren sich aktiv gegen den Ausbau von Ölpipeline- und Tankerprojekten an der Pazifikküste, da diese ihre Lebensgrundlage bedrohen. Gerade diese Themen stehen im Schatten der großen geopolitischen Debatten rund um die USA – obwohl sie unmittelbar mit den Gastgeberländern der WM verbunden sind.

Nicht gegenseitig aufwiegen

Wer nun den Umgang mit Minderheiten in den USA kritisiert, der muss auch bedenken: Europa ist alles andere als besser, wenn es um Zuwanderung geht: 2025 starben mehr als 1.900 Menschen im Mittelmeer auf der Suche nach Sicherheit in der EU. Auf der anderen Seite stehen die belegbaren und massiven Vorwürfe – etwa Polizeigewalt – rund um die Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien. Dass Russland die Ukraine spätestens 2014 und Georgien bereits 2008 angegriffen und teilweise besetzt hatte, ignorierte man damals geflissentlich.

(c) Sebastian Philipp

Stepanik erklärt: „Es geht bei diesen Themen nicht darum, dass man verschiedenes Unrecht auf die Waagschale legt und [...]

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