Der US-Medienkonzern Disney hat sich vorerst gegen eine Ausgliederung des Sportsenders ESPN entschieden. Wie Business Insider unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, soll ESPN weiterhin Teil des Konzerns bleiben.
Die Entscheidung gilt als eine der ersten wichtigen strategischen Weichenstellungen des neuen Disney-CEO Josh D’Amaro. In den vergangenen Jahren war immer wieder darüber spekuliert worden, ob Disney ESPN in ein eigenständiges Unternehmen ausgliedern könnte. Einige Investoren und Analysten hatten argumentiert, dass das rückläufige Kabelgeschäft den Unternehmenswert des Konzerns belaste.
Stattdessen setzt Disney nun darauf, dass ESPN eine zentrale Rolle beim strategischen Ausbau des Streaming-Geschäfts spielen kann. Der Sportsender soll weiterhin auf mehreren Wegen angeboten werden: als Teil klassischer Kabel-Pakete, innerhalb eines Streaming-Bundles mit Disney+ und Hulu sowie über eigene Streaming-Angebote.
Zudem prüft Disney laut Bericht weiterhin Möglichkeiten für strategische Partnerschaften. So hatte der Konzern im vergangenen Jahr bereits einen zehnprozentigen Anteil an ESPN an die National Football League verkauft.
Unternehmensintern gilt ESPN weiterhin als wichtiger Bestandteil des Medienkonzerns. Gleichzeitig wurde eine mögliche Abspaltung in der Vergangenheit nie vollständig ausgeschlossen. Beobachter gehen daher davon aus, dass das Thema langfristig erneut auf die Agenda kommen könnte.
Die Diskussion über die Zukunft von ESPN zeigt, wie stark sich die Medienbranche in den vergangenen Jahren verändert hat. Der Sender gehörte lange zu den profitabelsten Geschäftsbereichen im US-Fernsehmarkt und konnte hohe Gebühren von Kabelanbietern verlangen. Mit dem Rückgang klassischer TV-Abonnements durch sogenanntes „Cord-Cutting“ steht das Geschäftsmodell jedoch zunehmend unter Druck.
Vor diesem Hintergrund versucht Disney, seine Sportrechte künftig stärker mit digitalen Plattformen und Streaming-Angeboten zu verbinden.