Über 800 Menschen aus 48 Nationen arbeiten in Hinwil am Audi Revolut F1 Team. Chief Commercial Officer Stefano Battiston hat vor seinem Auftritt beim Sport Forum Schweiz am 2. November im KKL Luzern vorab über Marken, Fanerlebnisse und die Weltmeisterambitionen des Teams gesprochen.
Herr Battiston, die Formel 1 begeistert längst über den Motorsport hinaus. Was macht sie heute zu einer so starken Plattform für Sport, Wirtschaft und Kultur?
Battiston: Die Formel 1 verbindet Spitzensport, Technologie, starke Persönlichkeiten und eine globale Bühne. Wir sind über die gesamte Saison in unterschiedlichen Märkten präsent und bringen Menschen zusammen, die sich für ganz unterschiedliche Dinge begeistern: für den Wettbewerb, für Innovation, aber auch für Design, Mode oder Entertainment.
Formate wie Netflix haben dazu beigetragen, die Menschen hinter dem Sport sichtbar zu machen. Wer versteht, welche Ambitionen, Entscheidungen und Emotionen hinter einem Rennwochenende stehen, entwickelt eine andere Beziehung dazu. Die Geschichte beginnt lange vor dem Start und geht nach der Zielflagge weiter.
Für Marken entstehen dadurch enorme Möglichkeiten. Sie können Produkte entwickeln, neue Zielgruppen erreichen und Erlebnisse schaffen, die Menschen wirklich interessieren. Mit Audi haben wir die Chance, diese Möglichkeiten von Beginn an zusammenzudenken. Wir bauen ein Team auf, das sportlich erfolgreich sein will und zugleich weit über die Rennstrecke hinaus relevant ist.
Mit dem Audi Revolut F1 Team entsteht in Hinwil ein Projekt mit globaler Strahlkraft. Welche Dimension hat dieser Aufbau – und welche Rolle spielt die Schweiz dabei?
Battiston: Wir bauen hier das grösste Sportteam der Schweiz auf, gemessen an Mitarbeitenden, Umsatz und internationaler Präsenz. Über 800 Menschen aus 48 Nationen arbeiten am schweizer Standort. Wir treten weltweit an, erreichen Fans auf allen Kontinenten und arbeiten mit international führenden Marken zusammen. Diese Dimension ist vielen noch gar nicht bewusst: Hier in Hinwil ist eine Sportorganisation mit globaler Bedeutung zuhause.
Die Schweiz ist dafür ein entscheidender Standort. Hier finden wir technologische Kompetenz, eine starke Ausbildungslandschaft und ein Umfeld, das internationale Talente zusammenbringt. Deshalb investieren wir langfristig in unseren Campus, in die Infrastruktur und in unsere Menschen. Wir schaffen Perspektiven für junge Talente und entwickeln die Kompetenzen, die wir für unseren Weg an die Spitze brauchen.
Unsere Ambition ist, von der Schweiz aus um Weltmeisterschaften zu kämpfen. Für Mitarbeitende, Nachwuchskräfte und Unternehmen bietet sich damit die Chance, hier vor Ort Teil eines Projekts zu werden, das auf der ganzen Welt sichtbar ist.
Sauber hat das Fundament gelegt. Wie transformieren Sie dieses Erbe in ein Team mit Weltmeisterambitionen und eine neue, eigenständige Marke?
Battiston: Sauber hat über Jahrzehnte etwas Aussergewöhnliches aufgebaut und die Schweiz in der Formel 1 verankert. Dafür haben wir grossen Respekt. Die Erfahrung, das Know-how und die Menschen sind ein wertvolles Fundament. Unsere Aufgabe ist, daraus ein Werksteam zu entwickeln, das langfristig um Weltmeisterschaften kämpfen kann. Diese Transformation betrifft die gesamte Organisation und braucht eine klare Richtung, Investitionen und Zeit.
Mit der Marke Audi Revolut F1 Team haben wir auf einem weissen Blatt begonnen. Wir konnten grundlegend definieren, welchen Charakter dieses Team haben soll, wie wir auftreten und warum Menschen sich für uns interessieren sollen.
Dabei verbinden wir die Präzision, den Fortschrittsgedanken und das Design von Audi mit einer offenen Haltung gegenüber neuen Ideen und Zielgruppen. Wir wollen eine eigene Identität schaffen, die an jedem Ort erkennbar ist: am Auto, in unserer Kleidung, in unseren Inhalten und bei einer Begegnung mit dem Team. So wächst aus einer klaren sportlichen Ambition eine Marke, zu der Menschen eine Beziehung aufbauen können.
Sie bezeichnen Ihr Partnerschaftsmodell als «Multi-Brand Powerhouse». Was wird möglich, wenn Marken über das Team gemeinsam aktiv werden?
Battiston: Jede unserer Partnermarken bringt eigene Kompetenzen, Produkte, Zielgruppen und Geschichten mit. Wir schaffen die Plattform, auf der diese Stärken zusammenkommen. Produktintegration ist dabei ein wichtiger Bestandteil, etwa wenn wir Technologien im Team einsetzen oder Fans Produkte und Bezahlmöglichkeiten unserer Partner nutzen können. Darüber hinaus verbinden wir die Marken miteinander, damit sie gemeinsam neue Ideen entwickeln und umsetzen.
adidas und Hyatt bringen beispielsweise bei Community Runs Menschen zusammen. In Singapur haben Audi und adidas gemeinsam einen Pop-up in einer Mall umgesetzt. Bei einem Event im Audi House of Progress war Paulaner mit einer Bar dabei. Unsere Partner werden so Teil der Aktivitäten der anderen und erreichen Menschen in neuen Zusammenhängen. Unsere Partner aktivieren gemeinsan, nicht nur nebeneinander.
Das ist unser Multi-Brand Powerhouse. Ein gemeinsames Erlebnis schafft Inhalte, macht Produkte erlebbar und lässt sich über die Kanäle mehrerer Partner weiterführen. Die einzelnen Aktivitäten bauen aufeinander auf und geben jeder Marke mehr Möglichkeiten, ihre Geschichte zu erzählen. Hier sehen wir grosses Potenzial, Partnerschaften im Sport weiterzuentwickeln.
Ihr Anspruch lautet, «die Formel 1 zu den Menschen zu bringen». Wie schaffen Sie aus Aufmerksamkeit eine Community, die dem Team folgt und mitgestaltet?
Battiston: Es liegt an uns, Menschen gute Gründe zu geben, uns zu folgen und mit uns zu interagieren. Dafür braucht ein Team Charakter und Geschichten. Unsere Fahrer gehören dazu, genauso wie die Menschen in der Entwicklung, an der Boxenmauer oder in der Garage. Was treibt sie an? Welche Entscheidungen müssen sie treffen? Was bauen wir gemeinsam auf? Diese Geschichten wollen wir über unterschiedliche Kanäle zugänglich machen.
Gleichzeitig wollen wir die Hürden abbauen, die viele mit der Formel 1 verbinden. In Singapur konnten Menschen uns in einer Gelaterie, einer Bäckerei, beim Community Run oder in einer Mall begegnen. Unsere besondere Livery, die adidas Kollektion und die Aktivitäten in der Stadt waren Teil einer zusammenhängenden Geschichte.
Über den digitalen Hub konnten auch Fans weltweit teilnehmen, Teamkarten sammeln und die Chance auf ein besonderes Teamerlebnis erhalten. So verbinden wir lokale Erlebnisse mit globaler Beteiligung. Besuche von Persönlichkeiten wie David Beckham schaffen zusätzliche Aufmerksamkeit. Eine dauerhafte Community entsteht, wenn Menschen immer wieder etwas bei uns entdecken, sich einbringen können und das Gefühl entwickeln: Ich möchte Teil dieser Reise sein.
Über den Kongress:
Das Sport Forum Schweiz ist der grösste Sportbusinesskongress in der Schweiz. Der Kongress richtet sich an Sport-Clubs, -Verbände und -Veranstalter sowie Medien, Sponsoren und Tourismusdestinationen und findet am 2., 3. November im KKL Luzern statt. Programm und weitere Informationen unter: www.sportforumschweiz.ch