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WU-Wissenspodcast: Zwei Leben zwischen Vereinsliebe und Wissenschaft [Partner-News]

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An der WU Wien sitzen gleich zwei Vereinsfunktionär:innen in der Professor:innenkurie: Edeltraud Hanappi-Egger, Vizepräsidentin von SK Rapid Wien, und Jonas Puck, Vizepräsident von First Vienna FC 1894.

In Episode 4 des WU-Wissenspodcasts „Welthandelsplatz 1“ mit dem Titel „Spiegel der Gesellschaft“ erzählen die beiden, wie sich ihre Leben zwischen rationaler Wissenschaft und emotionaler Vereinsarbeit gestaltet – und über jene Themen, die eine Brücke zwischen diesen beiden Welten schlagen. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Sport, Wirtschaft und Wissenschaft hat Puck gemeinsam mit Jakob Müllner an der WU die Research Initiative Sports and Management (RISM) gegründet, die Sport als wichtiges Forschungs- und Lehrfeld in der Wirtschaftswissenschaft etablieren will. Und auch Edeltraud Hanappi-Egger hat ein Forschungsteam zu Diversität im Sport am Institut aufgebaut.

Zwei Vereinsfunktionär:innen mit Doppelleben

Was die beiden Universitätsprofessor:innen Prof. Edeltraud Hanappi-Egger und Prof. Jonas Puck verbindet, ist ungewöhnlich: Beide sitzen im Präsidium österreichischer Traditionsklubs. Ungewöhnlich deshalb, weil die rationale, analytische Welt der Wissenschaft nicht unterschiedlicher sein könnte als die emotionale, unvorhersehbare Welt des Fußballs.

Hauptberuflich forschen die beiden zu sehr unterschiedlichen Themen. Die ehemalige Rektorin der WU Hanappi-Egger beschäftigt sich in ihrer Arbeit am Department Management zu Gender und Diversität in Organisationen und ist seit 2022 die erste Vizepräsidentin in der Geschichte von SK Rapid. Puck leitet das WU-Institut für International Business, ist heute Dean for International Affairs der WU und seit Jahren bei First Vienna FC 1894, Österreichs ältestem Fußballklub, im Vorstand aktiv. Wer über Fußball und Management spricht, spricht bei den beiden also nie nur über Theorie, sondern immer auch über Vereinssitzungen, Mitgliederversammlungen und die Frage, wie man sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg unter einen Hut bringen kann (oder gar soll). Dieses Spannungsfeld spiegelt sich auch in der Forschung der beiden wider:

Vom Fan zum „Stake-Owner“

Hanappi-Egger hat für ihre Forschung zu Fanclubs den Begriff „Fanagement“ geprägt. Ihre These: In klassischen Mitgliedervereinen – wie sie durch die 50+1-Regel in Österreich und Deutschland vorgeschrieben sind – genügt es nicht, Fans als Stakeholder zu behandeln, die man informiert und beruhigt. Sie werden zu „Stake-Ownern“, die de facto mitverantwortlich sind für Reputation und Auftreten ihres Vereins, weil sie Vorstände mitwählen und Kurs mitbestimmen. Bei reinen Investorenmodellen, wie sie in vielen Ländern außerhalb des deutschsprachigen Raums üblich sind, gilt dagegen eher die Logik „Wer zahlt, schafft an“ – Fans werden stärker als Konsument:innen gesehen, denn als Miteigentümer:innen. In der Praxis der Vereinsführung ist das mehr als eine akademische Feinheit: Es entscheidet darüber, ob eine Reform am Stammtisch scheitert oder im Vorstand durchgesetzt werden kann. Auch die Ausbildungslogik im Nachwuchs zeigt dieses Spannungsfeld: Puck rechnet vor, dass Österreichs Fußballakademien jährlich rund 240 Spieler hervorbringen – für weit weniger freie Profiplätze in der Bundesliga. Wirtschaftlich betrachtet ist Fußball für die meisten Vereine ohnehin kein Geschäftsmodell, mit dem man reich wird: „Man spielt nicht Fußball, um Geld zu verdienen sondern verdient Geld, um Fußball spielen zu können“, bringt es Puck auf den Punkt.

Frauenfußball oder Fußball der Frauen?

Eine weitere Unterscheidung, die bei zweitem Hinsehen einen fundamentalen Unterschied ausmacht, betrifft den Frauenfußball. Hanappi-Egger unterscheidet bewusst zwischen „Fußball der Frauen“ und „Frauenfußball“ – im ersten Fall wird impliziert Frauen spielen nach Regeln aber auch im Mindset dasselbe Spiel wie Männer, im zweiten schwingt die Vorstellung mit, es handle sich zwar um dieselben Regeln, aber doch auch um eine eigene, andere Spielart. Medien verwenden beide Begriffe oft synonym, ökonomisch undsozial macht der Unterschied aber sehr wohl etwas aus: Weil viele Fußballerinnen vom Sport allein nicht leben können, absolvieren sie häufiger parallel eine Ausbildung oder gehen einem Beruf nach – während viele männliche Profis früh alles auf die eine Karriere setzen. Paradoxerweise bedeutet das für viele Frauen nach einem unfreiwillig frühen Karriereende oft eine bessere wirtschaftliche Absicherung als für so manchen Mann, dessen komplette Identität am Verein hing. Auch deshalb, sagt Hanappi-Egger, wirke der Frauenfußball auf viele Fans „ehrlicher“ – vielleicht, weil dort weniger Geld im Spiel ist.

Der gläserne Sportler als Datenschatz

Wo Hanappi-Egger mit Fallstudien und qualitativen Methoden arbeitet, um zu verstehen, wie zum Beispiel Antidiskriminierungsrichtlinien im Vereinsalltag tatsächlich gelebt werden, setzten Puck und sein Team auf große Datenmengen, um zu erforschen wie Fußball funktioniert, was Unternehmen von Fußball lernen können und was Fußballvereine von der Management Forschung lernen können. Und genau darin liegt für ihn der eigentliche wissenschaftliche Reiz des Fußballs: Kaum ein anderes Forschungsfeld liefert derart präzise, öffentlich zugängliche Leistungsdaten. Von gelaufenen Kilometern über Sprintgeschwindigkeiten bis zur Herzfrequenz – der Sportler ist, wie Puck es nennt, „gläsern“, während Führungskräfte in Unternehmen ihre Entscheidungsprozesse meist gut abschirmen. Was im Managementalltag oft nur über Umfragen und Interviews erschlossen werden kann, lässt sich im Fußball unmittelbar messen: Erfolg oder Misserfolg, Belastung, Anpassung nach einem Vereinswechsel. Für Fragen aus dem klassischen Diversity- und Expatriate-Management, etwa wie Spieler nach einem Wechsel in ein fremdes Land Anschluss finden, liefert der Fußball damit ein Labor für viele betriebswirtschaftliche Fragestellungen. Die enorme mediale Dauerpräsenz und die kollektive Emotionalität von Fußballstadien, mit tausenden gleichzeitig jubelnden oder verzweifelten Menschen, hat schlicht kein Unternehmen der Welt. Puck bringt den Reiz dieser Datenfülle mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: Er hätte gerne dieselben Daten über Manager:innen in einem Meeting wie über Spieler:innen auf dem Platz – Laufwege, Herzfrequenz, Einsatz. „Wir haben keinen gläsernen Manager, aber wir haben zumindest auf dem Platz eine relativ gläserne Sportlerin oder einen relativ gläsernen Sportler, über die oder den wir sehr viel wissen.“

Mehr als 90 Minuten: Der Verein als Wertevermittler

Der wissenschaftliche Blick geht aber über den Verein und die Sportler:innen hinaus, wenn es um die gesellschaftliche Rolle von Fußball geht. Hanappi-Egger beschreibt Fanclubs als Orte des Lernens und der Integration, an denen vor allem junge Menschen Regeln, Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit erfahren – aber auch als Risikoräume, wenn Leidenschaft in Enttäuschung oder Aggression kippt. First Vienna FC 1894 hat sich nach Pucks Angaben als einer der ersten österreichischen Vereine überhaupt in seinen Statuten gegen Diskriminierung ausgesprochen. Der SK Rapid hat ein entsprechendes Leitbild und als einziger österreichischer Fußballverein eine eigene Stabstelle für Diversitätsmanagement und Nachhaltigkeit etabliert. Beide sind sich einig: Themen wie Nachhaltigkeit oder Antidiskriminierung erreichen Menschen über ihren Fußballverein oft direkter als über jedes Regierungsprogramm, weil die emotionale Bindung an den eigenen Klub ungleich größer ist als an ein abstraktes politisches Konzept. Fußball, so das Fazit, ist nicht nur ein passiver „Spiegel der Gesellschaft“, sondern eine mächtige soziale Kraft.

Warum das alles an einer Wirtschaftsuniversität erforscht wird

Dass ausgerechnet die WU Wien zur Bühne für dieses Gespräch wird, ist kein Zufall. Mit der Forschungsinitiative zu Sport und Management (RISM) hat sich an der WU in den vergangenen Jahren eine Initiative etabliert, die Sport fest in Forschung und Lehre der Wirtschaftswissenschaft zu verankern versucht. RISM kooperiert dafür längst nicht mehr nur mit Vereinen, sondern auch mit nationalen und internationalen Verbänden und zahlreichen privaten Partnern. Auch das Forschungsteam um Hanappi-Egger arbeitet mit unterschiedlichen Institutionen und fördert den akademischen Austausch zu Sportthemen. Die Podcast-Folge selbst ist dafür ein schönes Beispiel: Zwei Menschen, die Wissenschaft mit gelebter Vereinspraxis verbinden, ohne dabei ihre eigene Begeisterung als Fans zu verstecken. Genau das macht die Episode hörenswert – nicht nur für Fußballfans, sondern für alle, die verstehen wollen, wie eng Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft im Sport tatsächlich verwoben sind. Wer reinhören möchte, findet die vollständige Folge unter wu.ac.at/wissens-podcast. Vereine, Verbände oder Unternehmen, die selbst Interesse an einer Kooperation mit den beiden Wissenschafter:innen haben, sind herzlich eingeladen, sich zu melden.

Ziel der RISM Initiative ist eine akademische Verbindung von Sport und Management in Lehre, Forschung und Praxis. Als Teil der Partnerschaft mit Sportsbusiness.at informiert RISM zukünftig einmal monatlich über interessante, praxisrelevante Forschungsergebnisse aus der Welt des Sportmanagements. Haben auch Sie Interesse, sich in Universitärer Forschung, Lehre zu engagieren? Kontaktieren Sie uns gerne persönlich (rism@wu.ac.at).

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