Die NFL steht im Fokus einer kartellrechtlichen Untersuchung des US-Justizministeriums (Department of Justice, DOJ). Dabei soll geprüft werden, ob die bestehenden Medienverträge der Liga möglicherweise wettbewerbswidrige Strukturen schaffen und Fans zu hohe Kosten für den Zugang zu Spielen entstehen.
Wie unter anderem das Wall Street Journal berichtet, wurde die Untersuchung Anfang der Woche eingeleitet. Ein Regierungsvertreter bestätigte gegenüber ABC News, dass sich die Prüfung auf Fragen der „Bezahlbarkeit und eines fairen Wettbewerbs für Anbieter“ konzentriert.
Im Mittelpunkt stehen die umfangreichen nationalen Medienverträge der NFL. Die Liga hat aktuell elfjährige Vereinbarungen im Gesamtwert von rund 110 Milliarden US-Dollar mit Amazon, CBS, ESPN, Fox und NBC abgeschlossen, die bis 2032 laufen. Zusätzlich werden einzelne Spiele über Streamingplattformen wie Netflix sowie über Dienste wie ESPN+ oder Peacock ausgestrahlt.
Nach Schätzungen von Forbes kostete es Fans in der vergangenen Saison rund 765 US-Dollar, um sämtliche NFL-Spiele verfolgen zu können. Kritiker sehen darin einen Hinweis darauf, dass die zunehmende Fragmentierung der Rechte über verschiedene Plattformen zu steigenden Kosten für Zuschauer führt.
Die NFL verweist hingegen auf die breite Verfügbarkeit ihrer Spiele. In einer Stellungnahme gegenüber ABC News erklärte die Liga: „Das Medienverbreitungsmodell der NFL ist das fan- und senderfreundlichste im gesamten Sport- und Unterhaltungssektor. Mehr als 87 Prozent unserer Spiele werden im frei empfangbaren Fernsehen übertragen, und 100 Prozent der Spiele sind in den jeweiligen Heimatmärkten der Teams frei verfügbar.“
Eine zentrale Rolle in der rechtlichen Bewertung spielt der sogenannte Sports Broadcasting Act von 1961. Dieses Gesetz erlaubt Sportligen unter bestimmten Voraussetzungen, ihre Medienrechte gemeinsam zu vermarkten und exklusive Verträge mit nationalen Sendern abzuschließen. Einige Beobachter stellen jedoch infrage, ob diese Regelung im heutigen Medienumfeld mit zahlreichen Streamingdiensten noch zeitgemäß ist.
US-Senator Mike Lee hatte das Justizministerium und die Federal Trade Commission bereits zuvor aufgefordert, die Anwendung des Gesetzes im aktuellen Medienmarkt zu überprüfen. Er begrüßte nun die eingeleitete Untersuchung.
Parallel dazu arbeitet die NFL bereits an einer möglichen Neuverhandlung ihrer Medienrechte. Obwohl die bestehenden Verträge erst 2032 auslaufen, besitzt die Liga eine Ausstiegsklausel für das Jahr 2029 und könnte bereits früher in neue Verhandlungen eintreten. Branchenberichten zufolge strebt die NFL dabei deutlich höhere Einnahmen an, auch mit Blick auf den jüngsten Medienrechte-Deal der NBA im Umfang von rund 76 Milliarden US-Dollar.