Nach 40 Jahren in der Sportwettenbranche und 21 Jahren bei Admiral Sportwetten zieht Jürgen Irsigler im großen sportsbusiness.at-Interview seine persönliche Bilanz. Der LASK-Fan lässt aber auch durchblicken, dass sein Abschied bei Admiral ein Neubeginn für neue Projekte sein wird.
++ sportsbusiness.at exklusiv von Michael Fiala ++
1986, also vor 40 Jahren, sammelte Jürgen Irsigler während seines Studiums in Linz erste Erfahrungen in der Sportwettenbranche. Eigentlich wollte Irsigler ja Sportjournalist werden, doch als endlich das passende Angebot kam, entschied er sich für das Risiko.
Nach 21 Jahren als Geschäftsführer von Admiral Sportwetten ist nun Schluss, und Jürgen Irsigler wird das Unternehmen mit Ende Juni verlassen. Im ausführlichen Exklusiv-Interview mit sportsbusiness.at zieht der Linzer Bilanz, erzählt über seine Anfänge in der Branche, die größten Herausforderungen wie etwa in der Corona-Zeit, wie der bekennende LASK-Fan den ersten Titel nach 57 Jahren erlebt hat, und dass das Ende bei Admiral vermutlich ein unternehmerischer Neubeginn sein wird.
sportsbusiness.at: Herr Irsigler, eigentlich wollten Sie Sportjournalist werden. Wie blicken Sie auf diese Anfangszeit Ihrer beruflichen Karriere zurück?
Jürgen Irsigler: Es war schon immer so, dass ich mich als Kind und Jugendlicher extrem für Sport interessiert habe. Ich habe auch selbst viel Sport betrieben. Zu dieser Zeit war mein großer Wunsch, Sportjournalist zu werden. Da war ich 14 oder 15 Jahre alt …
sportsbusiness.at: Gekommen ist es dann aber ganz anders, wie wir heute wissen. Warum haben sich Ihre Pläne dann in frühen Jahren geändert?
Irsigler: Ich habe in Linz studiert, bin dort auch geboren und aufgewachsen, und habe dann neben meinem Studium einen Betreiber eines Wettbüros kennengelernt, der mich eingeladen hat, vorbeizukommen. So habe ich dort einen Nebenjob bekommen. Dort ging es auch jeden Tag nur um Sport – das war sehr spannend und interessant für mich.
Damals war die gesamte Branche noch völlig anders als heute. Es gab keinen Teletext, keine digitale Systeme und die Welt der Computer steckte im Vergleich zu heute in den Kinderschuhen. Wetten wurden handschriftlich auf Durchschlagszetteln ausgefüllt.
sportsbusiness.at: Sie haben also Ihre ersten Erfahrungen in der Wettbranche in Linz gesammelt. Wie hat die Branche damals ausgesehen?
Irisgler: Ich habe 1986 begonnen. Damals war die gesamte Branche noch völlig anders als heute. Es gab keinen Teletext, keine digitale Systeme und die Welt der Computer steckte im Vergleich zu heute in den Kinderschuhen. Wetten wurden handschriftlich auf Durchschlagszetteln ausgefüllt. Der Kunde bekam das Original, das Wettunternehmen behielt die Kopie. Zusätzlich konnten Wetten telefonisch oder per Fax abgegeben werden.
sportsbusiness.at: Wie ging es dann bei Ihnen weiter?
Irisgler: Relativ rasch wechselte ich in die Buchmacherabteilung. Dort mussten wir die Quoten noch komplett selbst erstellen – ohne externe Datenanbieter oder automatisierte Systeme. Man musste sich intensiv mit den Sportarten beschäftigen, Informationen sammeln und einschätzen, wie realistisch bestimmte Ergebnisse sind. Das war fachlich enorm spannend, weil man sich wirklich intensiv mit dem jeweiligen Sport auseinandersetzen musste.
sportsbusiness.at: Wann kam für Sie der Schritt in die Selbstständigkeit?
Irisgler: 1990 beziehungsweise 1991 stand ich beruflich an einem Wendepunkt. Einerseits gab es die Möglichkeit, als Sportjournalist zur Kronen Zeitung Oberösterreich zu wechseln – das war eigentlich wie eingangs erwähnt immer mein großer Traum. Mein damaliger Chef wollte mich aber nicht verlieren und machte mir das Angebot, gemeinsam ein Wettunternehmen in Kärnten aufzubauen. Letztlich hat mich die Chance gereizt, selbst Unternehmer zu werden und etwas Eigenes zu schaffen. 1991 wurde die Firma gegründet. Wir hatten ein 50:50-Eigentumsverhältnis und begannen praktisch bei null. Gerade diese Aufbauarbeit und die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen, haben mich damals begeistert.
sportsbusiness.at: Mussten Sie damals ein großes Risiko eingehen?
Irisgler: Ja, definitiv. Ich habe praktisch mein gesamtes verfügbares Kapital investiert, um den Einstieg zu schaffen. Gleichzeitig war klar, dass Wachstum und Expansion nur mit Fremdfinanzierung möglich sein würden. Damit verbunden waren persönliche Haftungen und natürlich auch ein entsprechender Druck. Damals waren Banken allerdings noch eher bereit, jungen Unternehmern Kredite zu geben, wenn sie von einem Konzept überzeugt waren. Heute wäre dieser Weg in dieser Form vermutlich nur mehr mit vielen Hürden möglich. Natürlich musste man regelmäßig Zahlen liefern, Gespräche mit den Banken führen und positive Entwicklungen nachweisen.
sportsbusiness.at: Wie war die Branche damals aufgestellt?
Irisgler: Ich bin zu einem sehr günstigen Zeitpunkt eingestiegen. Die Sportwettenbranche war damals praktisch eine Startup-Szene. Die ersten Konzessionen gab es Anfang der 1980er-Jahre und vieles befand sich noch im Aufbau. Der Markt war längst nicht so hart umkämpft wie heute, und auch die Regulierung war deutlich geringer. Dadurch gab es viele Möglichkeiten, sich zu entwickeln und neue Geschäftsfelder aufzubauen. Rückblickend waren das sehr gute Rahmenbedingungen für Unternehmer.
sportsbusiness.at: 1994 wurde dann der Buchmacherverband gegründet. Sie waren damals auch von Anfang an mit dabei …
Irisgler: Es gab damals bereits viele Diskussionen rund um die Abgrenzung zwischen Wette und Glücksspiel sowie steuerliche Themen. Deshalb entstand die Idee, eine gemeinsame Interessenvertretung aufzubauen. 1994 wurde schließlich der Buchmacherverband gegründet – der heute als OSWV – Sportwettenverband bekannt ist. Ich war von Beginn an im Vorstand tätig und später auch Präsident des Verbandes. Ziel war es, mit einer gemeinsamen Stimme aufzutreten und die Interessen der Branche besser vertreten zu können.
sportsbusiness.at: Warum haben Sie sich 2004 für den Verkauf zu Admiral beziehungsweise Novomatic entschieden?
Irisgler: Mir war damals bereits klar, dass es für kleinere Unternehmen langfristig schwierig werden würde. Der Markt war zersplittert und gleichzeitig war absehbar, dass es zu .....