In Brasilien wird über schärfere Einschränkungen für Sportwetten-Werbung diskutiert. Bei einer öffentlichen Anhörung des brasilianischen Sportausschusses am 8. Juli debattierten Forscher, Suchtexperten und Gesundheitsvertreter über die Risiken von Glücksspiel- und Sportwetten-Werbung.
Psychiater Leonardo Carriço, Spezialist für Verhaltenssüchte, verglich die aktuelle Lage mit der Zeit, als Zigarettenwerbung in Brasilien noch erlaubt war. „Die schamlose Präsenz im Sport und in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen erzeugt den Eindruck, dass es sich um eine zu 100 Prozent normale, risikofreie Aktivität handelt“, sagte er. Laut Carriço sind in Brasilien rund 1,4 Millionen Menschen mit einer Glücksspielstörung diagnostiziert, weitere elf Millionen zeigen risikobehaftetes Verhalten.
Forscherin Kelly Noronha verwies auf die gesellschaftlichen Kosten: Die Verluste seien im öffentlichen Gesundheitssystem, in der Sozialarbeit und im wachsenden Haushaltsschuldenberg sichtbar. Sie fragte, ob der Staat tatsächlich von der Aktivität profitiere oder ob er „eine weit größere Rechnung an die Gesellschaft“ weitergebe.
Fabio Macorin, stellvertretender Staatssekretär für Glücksspiel und Wetten im Finanzministerium, räumte ein, dass die Kontrolle von Online-Wettenwerbung zu den größten Herausforderungen des Sektors zählt. Er verwies auf bestehende gesetzliche Einschränkungen, etwa das Verbot von Sofortaufforderungen wie „Jetzt wetten“ oder Versprechen finanzieller Gewinne.
Carlos Lima, Präsident des Brasilianischen Instituts für verantwortungsvolles Glücksspiel, warnte vor einem vollständigen Werbeverbot: Dieses würde nur lizenzierte Anbieter treffen und könnte Nutzer in den illegalen Markt drängen, der in Brasilien noch rund 50 Prozent des Sektors ausmacht.