Die FIFA hat am 10. Juni 2026 eine bedeutende Reform des internationalen Transfersys-tems beschlossen – laut Weltverband die größte seit Einführung des Regelwerks im Jahr 2001. Erarbeitet wurde sie gemeinsam mit der Spielergewerkschaft FIFPRO, den Euro-pean Football Clubs und der World Leagues Association sowie unter konstruktiver Beteili-gung von CONMEBOL und UEFA. Die Reform soll für ein ausgewogenes Verhältnis zwi-schen den Rechten und Interessen von Spielern und Klubs sorgen. Die wesentlichen Än-derungen treten mit 1. Jänner 2027 in Kraft.
+ + Ein Beitrag von Patrick Petschinka* + +
Hintergrund
Das Transfersystem regelt vereinfacht gesagt, unter welchen Voraussetzungen Spieler international von einem Klub zu einem anderen wechseln können. Es betrifft aber nicht nur die (teilweise) spektakulären Transfersummen, sondern ganz grundlegend das Verhältnis zwischen Spielern, Klubs und Ligen. Dieses Regelwerk wird nun reformiert. Ein wesentlicher Anstoß dafür war das Diarra-Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof, in dem bestimmte Bestimmungen des FIFA-Reglement bezüglich Status und Transfer von Spielern (RSTP) zu Vertragsbrüchen und Spielerwechseln für unionsrechtswidrig erklärt wurden.
Neuerungen im Überblick
Vor diesem Hintergrund hat der FIFA-Ratsausschuss das „Transfersystem 2027“ verabschiedet. Die Reform umfasst Neuerungen im RSTP, Änderungen am FIFA-Disziplinarreglement, FIFA-Governance-Reglement und an der Verfahrensordnung für das FIFA-Fußballgericht. Die wichtigsten Punkte sind:
- Neuregelung der Sanktionen bei Vertragsbruch
- neue Methode zur Berechnung der Entschädigung bei Vertragsbruch
- Mindestentschädigung bei Vertragsbruch
- gesamtschuldnerische Haftung des aufnehmenden Klubs
- Strafzahlungen bei missbräuchlichem Verhalten von bis zu sechs Monatsgehältern
- Vereinbarung von „Liquidated Damages Clauses“
- längere Vertragslaufzeiten für Spieler unter 18 Jahren von bis zu 5 Jahren
- Beteiligung von Spielern an Transferentschädigungen
- Neuregelung des internationalen Transferverfahrens (ITC)
Mehr Mitbestimmung im Weltfußball
Mindestens ebenso bedeutend wie die inhaltlichen Neuerungen ist die künftige Ausgestaltung des Regulierungsprozesses. Änderungen des RSTP sollen künftig nur noch im Konsens der maßgeblichen „Sozialpartner“ erfolgen. Damit sind die Spielergewerkschaft FIFPRO auf der einen Seite sowie die European Football Clubs und die World Leagues Association auf der anderen Seite gemeint. Die FIFA versteht sich dabei als Hüterin des globalen Systems.
Langfristig soll so ein kollektiver internationaler Ordnungsrahmen entstehen. Die FIFA formuliert sogar den Anspruch, dass dieser Dialog perspektivisch den Weg zu einem internationalen Tarifvertragssystem im Fußball ebnen soll.
Fazit und Ausblick
Das „Transfersystem 2027“ bringt bedeutende Neuerungen – nicht nur inhaltlich, sondern auch im Hinblick darauf, wie der Weltfußball künftig reguliert wird. Die Reform ist Teil einer historischen Grundsatzvereinbarung zwischen FIFA und FIFPRO, die ebenfalls am 10. Juni 2026 publik wurde und bis 31. Dezember 2031 gilt. Ziel ist ein Paradigmenwechsel in der globalen Fußball-Governance.
Ob sich der konsensbasierte Ansatz bewährt, wird die Praxis zeigen. Sollte dieser Ansatz funktionieren, könnte er weit über den Fußball hinaus als Blaupause für moderne Sport-Governance dienen. Eines steht fest: Klubs, Spieler und Berater tun gut daran, sich rechtzeitig auf die neuen Rahmenbedingungen einzustellen.
* Dr. Patrick Petschinka ist Rechtsanwalt bei Schönherr mit Schwerpunkt auf Sportrecht.