Die FIFA arbeitet an einem neuen Regelwerk, das es nationalen Fußballligen künftig ermöglichen soll, pro Saison ein Ligaspiel im Ausland auszutragen.
Das berichtet das Branchenportal SportsPro unter Berufung auf einen entsprechenden Entwurf, der derzeit an verschiedene Stakeholder zur Stellungnahme verschickt wurde. Demnach könnten Ligen künftig Spiele außerhalb ihres Heimatlandes austragen, sofern mehrere Genehmigungen eingeholt werden.
Notwendig wäre die Zustimmung des eigenen nationalen Verbands und der jeweiligen Konföderation sowie jene des Verbands und der Konföderation des Gastgeberlandes. Die endgültige Entscheidung würde bei der FIFA liegen.
Der Vorschlag sieht außerdem vor, dass Gastgeberländer maximal fünf Spiele ausländischer Ligen pro Saison austragen dürfen. Damit soll verhindert werden, dass nationale Wettbewerbe in wichtigen Märkten – etwa in den USA – durch zahlreiche Spiele internationaler Ligen unter Druck geraten.
Darüber hinaus sollen die beteiligten Ligen verpflichtet werden, das Recht auf ein Auslands-Spiel mit der Liga des Gastgeberlandes zu tauschen. Würde beispielsweise ein Spiel der spanischen LaLiga in den USA stattfinden, könnte im Gegenzug auch die Major League Soccer eine Partie in Spanien austragen.
Teil des Regelwerks wären zudem Maßnahmen zum Schutz der Spieler und Fans. Die Auswirkungen der zusätzlichen Reisen auf die Spieler sollen berücksichtigt werden. Gleichzeitig soll geprüft werden, wie Fans finanziell unterstützt werden können, damit sie ihre Teams auch bei einem Spiel im Ausland begleiten können.
Ein Antrag für ein solches Spiel müsste spätestens sechs Monate vor dem geplanten Termin bei der FIFA eingereicht werden. Dabei müssten unter anderem detaillierte Angaben zur Verteilung der Einnahmen gemacht werden – sowohl zwischen den beiden beteiligten Vereinen als auch gegenüber anderen Klubs der jeweiligen Liga sowie dem Gastgeberland.
Von der geplanten Begrenzung ausgenommen wären Supercup-Spiele, also Begegnungen zwischen Meister und Cupsieger, die traditionell zu Beginn einer Saison stattfinden. Ähnliche Regeln könnten jedoch auch für internationale Klubwettbewerbe gelten, was es beispielsweise schwieriger machen würde, ein Champions-League-Finale außerhalb Europas auszutragen.
Die Diskussion über Ligaspiele im Ausland läuft bereits seit mehreren Jahren. Auslöser war unter anderem ein Rechtsstreit zwischen der Agentur Relevent Sports und dem US-Verband US Soccer. Relevent hatte 2018 versucht, ein Spiel der spanischen LaLiga zwischen dem FC Barcelona und dem FC Girona in Miami auszutragen. Nachdem das Vorhaben gestoppt wurde, reichte die Agentur Klage ein, die später zu einer Einigung führte.
Mehrere europäische Ligen hatten zuletzt ebenfalls konkrete Pläne für Spiele außerhalb ihres Heimatmarktes. LaLiga wollte eine Partie zwischen dem FC Barcelona und dem FC Villarreal in Miami austragen, zog das Vorhaben nach Kritik von Spielern und Fans jedoch zurück. Auch die italienische Serie A plante ein Spiel zwischen dem AC Milan und Como im australischen Perth, das letztlich ebenfalls abgesagt wurde.
Für Ligen wie LaLiga und Serie A könnte ein Spiel im Ausland helfen, den wirtschaftlichen Abstand zur englischen Premier League zu verkleinern. Gleichzeitig würden solche Partien neue Möglichkeiten eröffnen, internationale Fans anzusprechen und zusätzliche Einnahmen aus Sponsoring und Ticketverkäufen zu generieren.
Die FIFA will den Entwurf nach der Auswertung der Rückmeldungen finalisieren. Ziel ist es laut Berichten, die neuen Regeln bereits rechtzeitig vor der kommenden Saison in Kraft zu setzen.