Nach dem vorläufigen Aus für ein gemeinsames Joint Venture mit dem Deutschen Fußball-Bund steht die Frauen-Bundesliga vor einer Phase neuer Verhandlungen und offener Fragen.
Wie die Frankfurter Allgemeine berichtet, hat die erneute Eskalation zwischen Verband und Klubs spürbare Folgen für die weitere Professionalisierung der Liga. Zum zweiten Mal ist die geplante engere Zusammenarbeit zwischen den 14 Erstligisten und dem DFB gescheitert. Damit sind auch jene Mittel blockiert, die der Verband im Rahmen einer gemeinsamen Gesellschaft in Aussicht gestellt hatte.
Nach FAZ-Informationen wären über einen Zeitraum von acht Jahren etwas mehr als 100 Millionen Euro in die Entwicklung der Liga geflossen. Diese Investitionen stehen nun vorerst nicht zur Verfügung. Zwar hält der DFB an seiner Ankündigung fest, insgesamt 100 Millionen Euro in den Frauen- und Mädchenfußball zu investieren, konkrete Projekte müssen jedoch erst neu definiert und geplant werden.
Kurzfristig ändert sich für die kommende Saison zunächst wenig. Die bestehenden Lizenzierungsanforderungen bleiben bestehen, weitergehende Maßnahmen wie ein verpflichtender Mindestlohn, der Ausbau von Trainerstäben, größere Spielstätten oder zusätzliche Vorgaben im Nachwuchsbereich bleiben vorerst freiwillig. Gerade diese Punkte galten als zentrale Hebel für eine beschleunigte Professionalisierung der Frauen-Bundesliga.
Erste Auswirkungen sind dennoch bereits sichtbar. Der DFB hat den ursprünglich für das Frühjahr geplanten Verkauf der künftigen Medienrechte gestoppt. Die Ausschreibung soll nun erst im Herbst erfolgen, wenn absehbarer ist, in welchem organisatorischen Rahmen sich die Liga künftig bewegt. Der aktuelle TV-Vertrag bringt der Liga seit der Saison 2023/24 rund 5,17 Millionen Euro brutto pro Jahr. Für den nächsten Rechtezyklus ab 2027/28 war eine deutliche Steigerung vorgesehen, die nun unter Vorbehalt steht.
Wie es weitergeht, ist offen. Der im Dezember 2025 gegründete Ligaverband FBL e.V. kündigte an, weitere Gespräche mit dem DFB über alternative Formen der Zusammenarbeit führen zu wollen. Gleichzeitig werden auch andere langfristige Modelle diskutiert. Dazu zählt laut FAZ sowohl eine stärkere Anbindung an die Deutsche Fußball Liga als auch ein eigenständiger Weg der Frauen-Bundesliga mit einem Grundlagenvertrag nach dem Vorbild der DFL.
Zentraler Streitpunkt in den bisherigen Verhandlungen war die Frage der Entscheidungsgewalt innerhalb der geplanten gemeinsamen Gesellschaft. Der DFB knüpfte sein finanzielles Engagement an Mitspracherechte, während die Klubs darauf bestanden, die Kontrolle über die sportliche und wirtschaftliche Ausrichtung der Liga zu behalten. FBL-Präsidentin und Eintracht-Direktorin Katharina Kiel betonte erneut, dass die Zukunft der Frauen-Bundesliga dort gestaltet werden müsse, wo der sportliche und wirtschaftliche Motor liege – bei den Vereinen selbst.
Auch auf Seiten des DFB wurde diese Haltung deutlich. Generalsekretär Holger Blask hatte bereits im Vorfeld erklärt, der Verband wolle sich nicht mit einer rein nachgeordneten Rolle zufriedengeben. Eine Annäherung in dieser Frage kam letztlich nicht zustande.