Am Donnerstag, 04. September 2025 fand der sportsbusiness.at Breakfast Club zum Thema Teamspirit als Erfolgsfaktor im Sport und in der Wirtschaft statt – dieses Mal gemeinsam mit dem Wien Energie Business Run. Es war dies bereits die 26. Ausgabe des bekannten Netzwerk-Formats von sportsbusiness.at.
Beim Sport und in Unternehmen hängt der Erfolg maßgeblich von der Qualität der Zusammenarbeit ab – kurz gesagt: dem Teamspirit. Er ist die Antriebsfeder, die vermeintliche Underdogs zu Höchstleistungen auflaufen lässt, und die aus einzelnen Individuen ein durchsetzungsstarkes Kollektiv formt.
Gibt es ein Erfolgsrezept für ein funktionierendes Team oder führen viele Wege zum Ziel? Was kann die Wirtschaft vom Sport lernen und umgekehrt? Welche Rolle spielen dabei Hierarchien und Konkurrenzdenken, oder braucht es die Begegnung auf Augenhöhe, um schlagkräftig agieren zu können?
Gastgeber war Gerhard Wehr (Geschäftsführer Business Run Eventorganisation GmbH), auf der Bühne sprachen Expert:innen aus Sport und Management: Roger Bader (Headcoach des Österr. Herren-Nationalteams Eishockey, ÖEHV), Peter Stöger (Trainer SK Rapid), Lena Millonig (Leichtathletin, 3000 m Hindernis Rekordhalterin und mehrmalige Staatsmeisterin), Peter Umundum (Gen. Dir. Stv. Vorstand Paket & Logistik, Österr. Post AG) und Hans-Peter Zurbruegg (Senior Vice President | Head of Active Lifestyle, Member of the Group Management Board Infront Sports & Media). Moderiert hat das Event Ex-Rapid-Stadionsprecher Andy Marek.
Die besten Fotos:



















Die besten Aussagen:
Gerhard Wehr (Geschäftsführer Business Run Eventorganisation GmbH) über …
… Zahlen zum Wien Energie Business Run: „Es ist eine leichte Anspannung. Die eigentliche Arbeit findet im Vorfeld statt. Das Team ist fantastisch und hat eine tolle Infrastruktur hergestellt. Eine Leistung der Sonderklasse: 280 Pagodenzelte, 14 große Zelthallen, 32.500 Teilnehmer:innen. Das Catering versorgt über 20.000 Menschen mit Speisen und Getränken, hinzu kommt noch die öffentliche Verpflegung, mit insgesamt 19 Kühlhäusern und 3.250 Heurigengarnituren.“
… den Lauf selbst: „Man kann keine 32.500 Leute gleichzeitig weglaufen lassen. Es gibt 20 Startblöcke und 60 Startwellen. Pro Welle laufen ab 15:30 ungefähr 600 Menschen weg. Das verlängert auch den Eventzeitraum.“
… den Wechsel vom Prater auf die Donauinsel: „Wenn du so lange an einem Standort bist, kennen sich alle aus. Ein neuer Standort verlangt eine steile Lernkurve und im dritten Jahr sind wir sehr gut.“
Roger Bader (Headcoach des Österr. Herren-Nationalteams Eishockey, ÖEHV) über …
… die Erfolge der letzten Zeit, die WM und Ziele: „Unsere Zielsetzung war der Klassenerhalt, den schafften wir im vierten Spiel. Dann wollten wir drei Siege verbuchen, was es zuvor noch nie gab – erst danach haben wir vom Viertelfinale gesprochen. Ich hätte sogar gegen meinen Sohn spielen können, der in unserem Spiel gegen die Schweiz dann auf der Tribüne saß. Wir haben nicht das erste Mal gegen sie gespielt und wissen, dass das eine Hammer-Mannschaft mit tollen NHL-Spielern ist – noch ist das eine Nummer zu groß.“
…Teamspirit: „Das ist das, was man erlebt, wenn eine Gruppe Menschen zusammenkommt, die durch eine Mission verbunden ist. Sie leben und arbeiten gemeinsam, um qualitativ hochwertige Ziele zu erreichen.“
… die Frage ob Teamgeist angeboren ist: „Man ist ja in verschiedenen Teams: Daheim, in der Arbeit, im Sport. Es kann sein, dass es in einem gut funktioniert und im anderen nicht. Wir müssen bei uns den Spirit jedes Jahr entwickeln. Nur weil wir den letztes Jahr hatten, muss das nicht heißen, dass er auch dieses Jahr funktioniert.“
… ein Basisrezept: „Es ist jedes Mal ein neuer Prozess. In den letzten Jahren ist es vorgekommen, dass Red Bull Salzburg und Klagenfurt nicht nur die meisten Nationalspieler stellen, sondern auch bis zuletzt um die Meisterschaft spielten. Wenn sie zum Nationalteam kommen, beginnt aber eine neue Zeit. Ich habe einmal bei einem Opening alle im Shirt ihres Klubs hinsetzen lassen. Dann mussten sie es ausziehen und bekamen das Team Austria-Shirt. Nach dem Motto: Du bist aus dem Club ausgestiegen, jetzt im Team. Dann muss man miteinander reden: Zuerst geht es um Werte, Kommunikation und wie wir mit Konflikten umgehen.“
… das Zitat, dass Einzelne gebrochen werden können, Teams aber nicht: „Das war eine Kabinenansprache vor dem ersten Spiel bei der Weltmeisterschaft. Ich gab jedem Einzelnen einen Holzstab und sagte dabei, warum genau ich ihn im Team haben will. Dann gab es zehn Minuten irrsinnige Energie, danach mussten alle den Stab zerbrechen und wegwerfen. Sie bekamen einen weiteren Stab, auf den sollten drei Begriffe schreiben , die das Team stärker machen sollten. In Folge haben wir das Bündel zusammengeklebt. Der Stärkste, Thomas Raffl, sollte das Bündel zerbrechen. Das schaffte er nicht. Einen Stab kann man brechen, ein Bündel nicht – daher kommt das.“
Lena Millonig (Leichtathletin, 3000-m-Hindernis-Rekordhalterin und mehrmalige Staatsmeisterin) über …
… das nächste große Ziel: „Die nächste Saison geht bald wieder los, im August ist die EM in Birmingham. Auf dem Weg dorthin gibt es Zwischenziele.“
… Teamgeist für Einzelsportler: „Egal ob im Einzel- oder Mannschaftssport, fängt Teamspirit einen auf, wenn es nicht läuft und lässt Erfolge größer werden. Am Ende bringe ich alleine das Ergebnis. Du glaubst dann, du bist alleine verantwortlich. Aber es gibt ein großes Team: den Trainer, das soziale Umfeld, Sponsoren, Physiotherapeuten, Masseure. Mindestens 50 Prozent der Leistung entstehen durch sie.“
… Trainingslager und Gruppen: „In den Trainings ist man ein Team, man zieht einander mit. Es gibt auch Menschen in der Gruppe, die mehr Erfahrung haben, die sie an die jüngeren weitergeben. Da hat schon jeder seine eigene Position, die sich herauskristallisiert.“
… Einzelsportler im Wettkampf: „Im Wettkampf habe ich den Einzelsportlergedanken, da geht es um meine Leistung und da kann meine beste Freundin mitrennen. Am Ende kann man sich trösten oder miteinander freuen, aber im Endeffekt ist man dort, um seine Performance abzuliefern. Im Ziel muss man sich aber mit anderen freuen oder leiden.“

Peter Stöger (Trainer SK Rapid) über …
… die Frage ob Teamgeist angeboren ist: „Wenn es angeboren wäre, würde es immer funktionieren. Firmen und Sportvereine sowie Einzelsportler schätzen den Teamgedanken. Das Grundbedürfnis eines jeden ist es, respektvoll behandelt zu werden. Als Führungskraft muss man sich deshalb auf die Menschen einlassen. Teamspirit klappt dann, wenn man sich auf die konzentriert, die nicht so im Rampenlicht stehen.“
… das Zusammenführen von Gruppen: „Es gibt kein Basisrezept. Es gibt 25 Spieler, einen zehnköpfigen Staff und noch einmal Menschen rundherum. Das verändert sich zudem immer. Man muss sich also mit den Stärken und Schwächen der Spieler auseinander setzen, was immer schwieriger wird: Wir sind sehr international, das macht alles spannend, aber auch einmal schwierig. Die Jungs sind mehr miteinander unterwegs als mit der Familie, also gibt es auch wie dort einen Wertekatalog. Dann geht es um Ziele. Und alles, was man bespricht, muss man auch vorleben.“
… den Umgang mit Themen, die von Außen reingetragen werden: „Es wird eben nicht jeder gleich viel kritisiert. Was wir anbieten, ist jeden einzelnen zu unterstützen. Es ist ein permanenter Prozess, in dem es um Vertrauen und Unterstützung in der Gruppe geht. Weiters muss man individuelle Karrierewege aufzeigen, auch wenn Fußball eine Mannschaftssportart ist. Sie wollen ja ihren nächsten Schritt machen. Das Wissen über Taktik und Trainingsweisen hat jeder, aber diese Fertigkeiten braucht man.“
Peter Umundum (Gen. Dir. Stv. Vorstand Paket & Logistik, Österr. Post AG) über …
… das 20. Mal Post beim Business Run, diesmal mit 170 Teams: „Wir sind bei 18 Veranstaltungen mit dabei, mit über 7.000 Teilnehmern. Gerade in der heutigen Zeit ist es wichtig, so eine Veranstaltung zu unterstützen. Ich laufe begeistert mit, der gesamte Vorstand auch.“
… Teamspirit: „Teams unterstützen sich und treffen bessere Entscheidungen. Wir unterstützen auch Teambuilding wenn sich neue Teams zusammenfinden oder dann, wenn es nicht rund läuft.“
… Teams bei der Post: „Ein Logistikprozess ist eng getaktet. Wenn die Teams nicht ineinander greifen, geht nichts. Ich bin auch viel vor Ort, das ist mir wichtig. Das Management inklusive Vorstand ist als „Team Christkind“ zwei Tage im Jahr in der Fläche, um zu unterstützen und das mitzuerleben. Denn Sinn, Leistung und Freude sind unsere Kernwerte.“
… die Zusammensetzung und Diversität: „Es muss Platz für alle sein und wir haben auch Diversitätsnetzwerke. Ein Beispiel: In Inzersdorf gibt es 98 Herkunftsländer, das funktioniert. Es wird zukünftig noch wichtiger werden.“
… Veränderungen in der heutigen Zeit: „Es gibt weniger Zeit, aber mehr Druck. Also ist es wichtig, sich die Zeit für Teamentwicklung zu nehmen. Wir merken zudem im Management und im Büro, dass dies durch Homeoffice schwieriger wurde. Bei rund 50 Prozent Homeoffice muss man Räume dafür schaffen.“
Hans-Peter Zurbruegg – Senior Vice President | Head of Active Lifestyle, Member of the Group Management Board Infront Sports & Media) über …
… Infront und Sport: „Infront ist eine klassische Sportvermarktungsagentur. Gestartet haben wir im Fußball, seit über 20 Jahren vermarkten wir die Eishockey-WM. Ich hatte die Möglichkeit, Massenveranstaltungen wie Marathons oder Jedermann-Radrennen zu vermarkten. Laufen ist ein idealer Sport. Der Mensch ist zum Laufen geboren. Das kann jeder, es gibt fast kein Verletzungsrisiko.“
… Teamspirit: „Wenn die einzelnen Zahnrädchen ineinander greifen und sich ergänzen. Dann kommt eine Topperformance heraus, bei einem Schweizer Uhrwerk oder einem Team.“
… das Business-Veranstaltungsformat: „Vor über zehn Jahren war ich beim Business-Run in München und habe eine Stunde lang Emotionen und Passion an der Ziellinie beobachtet. Das ist genial: Am Schluss hast du nur Gewinner, egal ob sie drei Minuten für einen Kilometer brauchen oder walken.“
… den Trend, Sport zu fördern: „Viele Firmen werden attraktiver, wenn sie Mitarbeiter zum Sport motivieren. Gesunde Mitarbeiter sind ja besser, das hat Corona noch verstärkt. Für die Gen Z sind Work-Life-Balance und Purpose immer wichtiger. Dazu wird der Kampf um gute Mitarbeiter nicht kleiner – es ist also ein weltweiter Trend.“