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VAR – macht Fußball gerechter, hat aber Verbesserungspotenzial [Partner-News]

(c) Bildagentur Zolles KG

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Im Rahmen des 35-Jahre-Jubiläums der Spielervertretung in Österreich diskutierten Experten beim spusu – VdF-Talk über das derzeit heißeste Thema im heimischen Fußball: den Video Assistent Referee VAR. Die Runde war sich einig: der VAR macht den Fußball gerechter, kann bzw. muss aber verbessert werden.

Kaum ein Spiel geht in der heimischen ADMIRAL Bundesliga über die Bühne, bei dem nicht eine oder mehrere Schiedsrichter-Entscheidungen für ausreichend Gesprächsstoff während und nach dem Spiel sorgen. Im Juli 2021 eingeführt, ist der VAR nun seit rund zwei Jahren im Einsatz. Sorgt er für mehr Gerechtigkeit im Spiel oder doch eher für Verwirrung? Diese und weitere Fragen besprachen LASK- und ÖFB-Torhüter Alexander Schlager, Sturm Graz-Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker, FIFA-Schiedsrichter Sebastian Gishamer und Bundesliga-Vorstand David Reisenauer im Rahmen des spusu – VdF-Talks in der ADMIRAL Arena im Wiener Prater.

Schicker: „Es hat sich wenig getan in der Entwicklung.“
„Der VAR ist definitiv eine gute Einrichtung“, so Andreas Schicker, „er hat den Fußball fairer gemacht. Was ich aber vermisse, ist eine klare Linie, die gibt es nicht und das ist bei jedem Spiel spürbar. Es muss sich bei den Strukturen etwas ändern. Ich bin seit 20 Jahren im Profifußball und gefühlt hat sich bei den Schiedsrichtern in Österreich wenig getan in der Entwicklung. Es gibt gute Schiedsrichter in Österreich und wir Vereine, die Bundesliga und der ÖFB sind hier gefordert. Wir müssen es schaffen, den Schiedsrichtern entsprechende Rahmenbedingungen zu bieten.“

Gishamer: „Wünsche mir eine tiefere Struktur bei der Aufarbeitung.“
Dem kann Sebastian Gishamer etwas abgewinnen. Der FIFA-Schiedsrichter könne sich vorstellen, unter bestimmten Rahmenbedingungen Profischiedsrichter zu sein. „Da müssen jedoch noch einige Fragen geklärt werden. Aber die mentale Freiheit, Spiele noch besser vor- und nachbereiten zu können, würde sehr helfen.“ Den VAR sieht Gishamer positiv: „Der VAR trägt dazu bei, die Fehlerquote zu minimieren. Zu 100% wird es uns nie gelingen.“ Seitens des ÖFB, bei dem das Schiedsrichterwesen angesiedelt ist, wünscht sich der Referee mehr Unterstützung: „Ich würde mir klare Vorgaben, eine klare Linie wünschen. Vor allem bei der schiedsrichterinternen Aufarbeitung von Spielen würde ich mir mehr und eine tiefere Struktur wünschen. So wäre es für mich zum Beispiel sinnvoll, bereits am Tag nach dem Spiel die Analyse der Beobachter zu erhalten.“ Schicker pflichtet Gishamer hier bei: „Referees müssen die Spiele mit denselben Tools aufarbeiten können wie die Vereine.“

Schlager: „Es fehlt eine klare Linie.“
Torhüter Andreas Schlager ist „prinzipiell happy“, dass es den VAR gibt: „Im Spiel passieren so viele Situationen, auf die die Augen nicht gerichtet sind. Die Schiedsrichter sollen es allen recht machen, das ist nicht so einfach. Dennoch wünsche ich mir eine klare Linie. Oft werden im Spiel ähnliche Situationen unterschiedlich entschieden. Da steht man als Spieler ratlos da. Bei der einen oder anderen Situation fehlt uns Spielern vielleicht auch die entsprechende Regelkunde. Vielleicht sollten wir Spieler und der gesamte Staff mehr geschult werden, um die so manche Entscheidungen nachvollziehen zu können.“

Reisenauer: „Professionalisierung passiert.“
Bundesliga-Vorstand David Reisenauer ist davon überzeugt, dass der VAR den Fußball gerechter gemacht hat: „Die Zahlen sind ähnlich wie bei anderen Ligen. In jedem dritten Spiel gibt es eine Korrektur, die ohne VAR nicht gesehen worden wären. Wir wissen aber auch, dass es Potenzial gibt. Wir suchen ständig den Austausch mit allen Verantwortlichen, um über Verbesserungen zu sprechen. Die Diskussionen um den VAR gibt es aber in allen Ligen, da sind wir nicht die einzigen.“ Bzgl. Professionalisierung des Schiedsrichterwesens tut sich etwas, weiß Reisenauer: „Es wird eine neue Position geschaffen, die teilweise Aufgaben des Elite-Komitees übernimmt, das sich bislang ausschließlich aus ehrenamtlichen Personen zusammengesetzt hat. Im Moment suchen wir nach dieser Person.“

35 Jahre Spielervertretung in Österreich
Vor der Diskussion blickten die VdF-Vertreter gemeinsam mit ihren Gästen auf 35 Jahre Spielervertretung in Österreich. Ein Mann der ersten Stunde war Thomas Pfeiler. Der Ex-Profi ist bei der Wiener Austria groß geworden und spielte mitunter in Kufstein, beim GAK, der Vienna, und Spittal/Drau. „Es gab damals einschneidende Erlebnisse, die mich motiviert haben, mich der neu formierten Spielervertretung unter der Leitung von Rudi Novotny anzuschließen. Beispielsweise musste ich mich nach vielen Stationen als Leihspieler mit 28 Jahren von der Austria freikaufen, durfte teilweise nicht mit der Kampfmannschaft trainieren usw.“ Unter den Gründungsmitgliedern waren neben Pfeiler mit Herbert Prohaska, Heribert Weber, Andreas Pichler und Walter Koch weitere Fußballprofis vertreten.

„In den vergangenen 35 Jahren hat sich sehr viel getan“, blickt der aktuelle VdF-Vorsitzende Gernot Baumgartner zurück, „mit dem jüngsten Schritt zur autonomen Fußballorganisation ist uns ein weiterer Meilenstein gelungen. Unser Auftrag ist seit 35 Jahren gleich geblieben: wir wollen den Spielern individuell helfen, aber auch das Gesamtbild des Fußballers verbessern, deswegen besprechen wir auch aktuelle Themen wie eben den VAR.“

Dass die VdF nicht nur für Profifußballer Anlaufstelle ist, unterstrich Oliver Prudlo, Stellvertretener VdF-Vorsitzender. Er kümmert sich um Rechtsfälle von der Regionalliga abwärts. „Hier ist die Professionalität oft noch nicht so eingekehrt, wie wir uns das vorstellen. Darüber hinaus kümmern wir uns auch um Legionäre, die beispielsweise in osteuropäischen Ligen weniger geschützt sind, längere Fristen hinnehmen oder sehr lange auf ihr Geld warten müssen.

Gregor Pötscher, Administrativer Leiter, kümmert sich um die Mitglieder. „Derzeit betreuen wir rund 950 Mitglieder, ich hoffe, dass wir demnächst die 1.000er-Grenze knacken. Wir besuchen die 28 Bundesligavereine zwei bis drei Mal im Jahr, sprechen dabei mit den Spielern, informieren sie und fragen nach, wo es Probleme gibt. Wir heben auch wöchentlich die Platzbewertung ein, aus der am Ende eine Tabelle der anderen Art entsteht, die bei den Medien, aber auch den Spielern sehr gut angenommen wird.“

Seit rund zwei Jahren ist Thomas Hinum am Bord. „Ich war 12 Jahre lang selbst Spielervertreter und freue mich, nun als Generalsekretär diese Arbeit weiter zu führen. Mit einigen unserer Mitglieder habe ich noch gespielt und habe sie heranwachsen sehen. Wir wissen, dass Spieler sich nicht mit Konflikten auseinandersetzen wollen und auch können, weil sie Besseres zu tun haben.“

Gernot Zirngast ist der VdF seit Jahrzehnten verbunden, hat mitunter die Bruno-Gala mit der Wahl zu den Fußballerinnen und Fußballern des Jahres ins Leben gerufen. „Warum es eine Spielergewerkschaft geben muss, steht außer Frage. Wir haben die Organisation über die Zeit auf neue Beine gestellt und immer mehr professionalisiert. Wir sind ein gutes Team, das nachhaltig arbeitet.“ VdF-Vorsitzender Baumgartner ergänzend zu seinem Vorgänger: „Über 35 Jahre wurde die VdF von Generation zu Generation weitergegeben. Wir sind ein Team aus ehemaligen Spielern mit besten Kontakten zu den aktuellen Spielern und das macht uns so stark.“

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