Am Mittwoch, 23. September 2026 lud der Play Fair Code in Kooperation mit sportsbusiness.at zu den „Play Fair Code Talks 3.0“ ein, die an diesem Vormittag in der Luftburg Kolarik im Prater unter dem Motto „Return on Integrity – Sponsoring vs. Wettbewerbsmanipulation“ standen.
Die diesjährigen Talks basieren inhaltlich auf einem Paper von Severin Moritzer, Marta Pires Pinheiro und Aleksandra Glowacka zum Thema „Return on Integrity (ROI2): Understanding the Value of Investing in Sports Integrity“, das demnächst verfügbar sein wird.
„Return on Integrity“ ist an den Begriff „Return on Investment“ angelehnt, sagte Play Fair Code-Geschäftsführer Severin Moritzer zum Auftakt eines spannenden Vormittags. Die Frage bei diesem Begriff, so Moritzer: „Was kann ein Sponsor gewinnen oder verlieren, wenn er in die Integrität des Sports investiert?“

Der Gedanke kam der Verein zur Wahrung der Integrität im Sport im Zuge der Nordischen Ski-Weltmeisterschaft 2025. Dort manipulierte das norwegische Skisprungteam die Anzüge, um den Auftrieb zu erhöhen. Es folgten ein medialer Aufschrei, Strafen – und auch der Absprung von Sponsoren.
Die Konsequenzen, so Moritzer später, sind aber immer noch unterschiedlich. Er verwies auf den Siemens-Skandal 2009, der einen Schaden in Milliardenhöhe für das Unternehmen nach sich zog. Die Vorgänge rund um Jannik Sinner hatten hingegen kaum Konsequenzen.
Umso wichtiger ist es, den „Return on Integrity“ zu betonen. Wo der Sport in dem Zusammenhang steht, welche Vorteile alle Beteiligten durch integres Vorgehen haben und wo es genau hinzuschauen gilt, diskutierte eine hochkarätig besetzte Runde, moderiert von Moritzer selbst und sportsbusiness.at-Herausgeber Michael Fiala: Daniela Bauer (Geschäftsführerin Wirtschaft SK Rapid Wien), Andreas Krannich (Executive Vice President Integrity Services Sportradar), Horst Nussbaumer (Präsident ÖOC), Friedrich Stickler (Präsident Play Fair Code), Herwig Straka (Founder & CEO e|motion group und Board of Directors ATP) und Georg Wawer (Managing Director win2day).
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Daniela Bauer (Geschäftsführerin Wirtschaft SK Rapid Wien) über …

… die Sponsoren-Sicht auf den Return on Integrity: „Als ich noch bei der Allianz arbeitete, hatten wir Sponsorings von IOC bis Fußball und Stadien. Wir wollten den Return on Marketing-Investment messen. Diese Berechnung beinhaltete nicht nur Zahlen wie Conversions, also ein Tracking, wie viele Versicherungen in Folge eines Sponsorings abgeschlossen wurden. Es ging auch um den Hebel Brand Equity, mit diesem wurden Langzeiteffekte der Partnerschaften gemessen. Im Zuge dessen wurde auch betrachtet, was unsere Partner wie das IOC beispielsweise im Corporate-Governance-Bereich machen.“
… den Derbysieg 2024 gegen die Austria und die homophoben Gesänge: „Das war vor meiner Zeit, ich bin seit September 2025 da. Ich kann sagen, welche Maßnahmen getroffen wurden. Denn wenn ein Ereignis eintritt, für das man kein Krisenszenario vorbereitet hat, muss man handeln. Das ist damals geschehen. Die Mitarbeiter wurden getreu unseres Leitbildes noch einmal geschult. Zudem wurde eine Stabstelle für Diversitätsmanagement und Nachhaltigkeit gegründet. Es gab im November 2025 auch eine Tagung zu dem Thema, die wir gemeinsam mit den Sponsoren erarbeitet haben. Dort haben wir auch Organisationen wie die UEFA oder die Ombudsstelle des ÖFB eingeladen und auf verschiedensten Ebenen diskutiert, wie wir den Sport so inklusiv wie möglich machen. Es ist tägliche Arbeit. Es braucht auf jeden Fall einen Fokus von Management und Präsidium auf die Thematik, und es müssen alle Mitarbeiter:innen im Verein leben.“
… Folgen aus den Vorfällen:„Es gab Sponsoren, die sich auch aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen haben. Wenn wir uns ansehen, wie wir jetzt damit umgehen würden, zeigen wir offene Kommunikation und wir handeln. Aufgrund der Ausschreitungen gibt es nun die Konsequenz, drei Jahre keine Auswärtsfans bei den Derbys zu haben.“
Andreas Krannich (Executive Vice President Integrity Services Sportradar) über …

… das Risiko von Wettbewerbsmanipulation in den vergangenen Jahren: „Die Kriminalität verändert sich stetig, gerade durch die Digitalisierung oder KI. Es wird dadurch komplexer und raffinierter. In den letzten 20 Jahren haben wir gemerkt, dass die beste Maßnahme gegen Manipulation ein komplexes 360-Grad-Integritäts-Konzept ist. Dieses muss glaubhaft exekutiert werden und es darf kein Unterschied zwischen Bundes- und Regionalliga gemacht werden.“
… Betrugsfälle: „Es wurden über 1.100 Betrugsverdächtige in 12 Sportarten in 94 Ländern untersucht, aber über 99 Prozent der Spiele sind sauber. Man muss das Verhältnis sehen, man muss es ernst sehen, darf aber nicht überreagieren.“
… Manipulations-anfällige Sportarten oder Ligen: „Quantitativ ist es schwierig, Athleten, die viel Geld verdienen und im Fokus stehen, zu einer Manipulation zu überreden. Es betrifft eher unterklassige Spiele, es gab aber auch schon Vorfälle bei Champions-League-Spielen. Wir sind auch Rechtehalter, im Vertrag ist enthalten, dass Manipulation eine Vertragsstrafe mit sich bringt. Das verstehen alle, wenn es mit wirtschaftlichen Konsequenzen verbunden ist.“
… Prediction Markets und ihren Einfluss auf Manipulation: „Per se sind Prediction Markets nichts Neues, das kennt man seit 2000, als Betfair in London auf den Markt kam. Am Ende ist es wie eBay: Zwei Personen treffen sich, sie wetten miteinander, Prediction Markets sind Transaktionspartner und bekommen Provision. Wir arbeiten mit Betfair zusammen, insbesondere im Integritätsbereich. In den USA ist es ein unfairer Wettbewerb. Warum? Weil sie als Finanzprodukt bundesstaatlich reglementiert sind. Prediction Markets dürfen sich auch an 18-Jährige wenden und können dort anbieten, wo es keine Lizenzen für Glücksspiel gibt, etwa in Florida. Und wer bei Kalshi und Co. verliert, kann das steuerlich abschreiben. Die Kriminalität nutzt diese Plattformen aber noch nicht so wie gewohnt. Am Ende wird es sich nivellieren. Es geht auch darum, wie stark die Plattformen reguliert sind.“
Horst Nussbaumer (Präsident ÖOC) über …

… Interventionen wie bei der WM bei Olympia und die Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit auf den Bewerb, Personen und Sponsoren: „Die geschilderte Situation (Die Intervention von Donald Trump bei der WM 2026, Anm.) hat uns in den Grundfesten erschüttert. Es geht im Sport um Regeln – das sind zwar keine Naturgesetze, aber Sport funktioniert nur, wenn wir uns an die Regeln halten. Ich verweise immer auf die Olympic Charter, diese enthält sieben Prinzipien. In einem Punkt geht es um die Autonomie des Sports: Die Regeln des Sports müssen frei aufgestellt und überwacht werden, in weiterer Folge müssen sie selbstverwaltet werden. Wenn Politiker in diese Systeme eingreifen, ist es ein Schock. ÖOC und IOC sind auf langfristige Sponsoren angewiesen, weil uns nur diese die Autonomie ermöglichen.“
… Maßnahmen, die man setzen kann: „Es geht um Prävention, das ist die wichtige Maßnahme. Wir klären früh auf und dieses System funktioniert gut. Man muss aber die Augen immer offen haben, es gibt nämlich nicht nur Lehrbuchfälle, vieles beginnt in Grauzonen.“
… ältere Manipulationen bei Olympia und wie man das kommuniziert: „Wir stellen uns diesem unangenehmen Thema, haben ein engmaschiges Netz, um Fälle zu verhindern. Dazu eine Gedankenreise: Was machen wir bei Olympischen Spielen? Wir bringen die besten Athlet:innen für zwei Wochen an einen Ort. Das ist für viele das allerwichtigste Sportevent ihres Lebens. Ein Olympiasieg verändert den Lebensweg. Auf den Jubelbildern sieht man aber keine Sponsoren, obwohl wir die besten und größten Sponsoren haben. Wir können es uns leisten, sie nicht zu zeigen, weil wir auf unsere Reputation achten.“
Friedrich Stickler (Präsident Play Fair Code) über …

… Interventionen beim Sport von außen, anhand der Annullierungen von Ausschlüssen bei den Fußballweltmeisterschaften 1962 und 2026: „1962 war das alles noch etwas anders. Da entschied die FIFA-Kommission. Bei der heurigen WM hatte das eine andere Konsequenz. Der US-amerikanische Präsident stellte mit seinem Fußballwissen fest, dass das kein Foul war. Dass der FIFA-Präsident dann mit dem Vorsitzenden der Ethik-Kommission spricht und der Spieler trotz der roten Karte antreten darf, hat enorme Konsequenzen. Wenn wir über den Return on Integrity sprechen, sind dafür bei so einem Fall keine Voraussetzungen gegeben. Ein Regelbruch – von Doping über Manipulation bis zu so einem Eingriff – erschüttert das Vertrauen des Publikums in den Sport. Das darf nicht sein. Es muss alles dafür getan werden, dass die Sauberkeit im Sport erhalten bleibt und die Regelbrüche verunmöglicht werden.“
… eine neue Dimension durch den WM-Fall: „Ich denke, dass das ein besonderer Fall war und der wird in der Art nicht mehr geschehen. Die Öffentlichkeit ist alarmiert, es wird sich kein Präsident einer Weltorganisation so etwas mehr trauen. Die Konstellation mit diesen beiden Präsidenten ermöglichte das erst, das ist eher das Ende einer Entwicklung.“
… Schulungen: „Der Play Fair Code schult Sportler, Funktionäre und Schiedsrichter, aber auch Exekutive und Justiz. Es wissen mittlerweile alle, auch in Österreich, worum es geht. Es werden alle Stakeholder mit eingezogen und FIFA, UEFA oder IOC stellen fest, dass der Play Fair Code ein Leuchtturmprojekt ist.“
Herwig Straka (Founder & CEO e|motion group und Board of Directors ATP) über …

… die klare Djokovic-Niederlage gegen einen ungesetzten Spieler im Viertelfinale 2020 in der Stadthalle – der Serbe später erklärt, er habe nur die Spiele zuvor gewonnen, um Nummer eins zu bleiben: „Tennis ist per se eine der schwierigsten Sportarten, weil eine Person alleine das Ergebnis beeinflussen kann. Es gab aber keine auffälligen Wetten. Djokovic war wegen Corona da, er wollte offensichtlich verlieren. Dieses Jahr verhandeln wir und ich sage, dass es nicht so sein kann wie damals. Das hat Spuren hinterlassen, er bekommt erst Geld ab einer gewissen Runde, die er erreicht – das ist negativer Return on Integrity aufgrund seiner absichtlichen Niederlage im Jahr 2020.“
… Vorbereitung auf so einen Fall: „Es gibt wie in allen Unternehmen Krisen-PR für unterschiedliche Ereignisse – für so etwas nicht. Es war auch „nur“ im Viertelfinale und nicht im Finale, da wäre das ein anderes Problem gewesen.“
… die Sicht des ATP-Boards und Prediction Markets: „Tennis ist eine Weltsportart, ist bei Sportwetten in den Ländern oft Nummer zwei und drei. Prediction Markets sind eine Börse, sie wollen, dass möglichst viel umgesetzt wird, weil sie an den Transaktionen verdienen. Bookmaker wiederum sitzen im gleichen Boot wie der Sport. Die Wettanbieter zahlen bei einem Betrug auch drauf.“
… die Sicht des ATP-Boards auf Integrität: „Beim Tennis gibt es sieben Verbände: den Weltverband, die ATP, WTA und die vier Grand Slams. Es gelingt nicht immer, sich abzustimmen, aber bei Integritätsthemen geht es, weil es um unseren Sport geht. Wir haben zwei Motivationen Richtung Return: Die Integrität sowie das Bild von außen. Es gibt ein Framework, damit Sponsoren mit uns zusammenarbeiten können. Klar ist, dass Spieler nicht mit Sportwettenanbietern zusammenarbeiten dürfen. Und: Manipulation beim Tennis ist schleichend, die Kriminellen kommen langsam. Die Ergebnismanipulation kommt erst später. Keiner wacht morgens auf und manipuliert ein Spiel: Darum setzen wir in der Prävention in der Jugend an.“
… zum Thema, Doppelspiele zu verringern und den Zusammenhang mit der schwierigen Finanzierung von Tenniskarrieren bei kleineren Turnieren: „Derzeit verdient man im Doppel mehr, als das Produkt leistet. Wir wollen einen Teil des Preisgeldes in Futures und Challengers und die ersten beiden Runden der ATP-Turnier investieren, damit sich die Spieler ihre Karriere besser finanzieren können.“
Georg Wawer (Managing Director win2day) über …

… die Sicht des Sponsors auf Betrug/Manipulation: „Wir sind einer der größten Sponsoren, haben beispielsweise bei Eishockey oder Basketball auch das Naming Right. Wir überlegen uns immer genau, mit wem wir eine langfristige Partnerschaft eingehen und achten auf die Werte. Dabei darf es keine Ausrede geben: Diese Werte sind nicht verhandelbar und Haltung kann man nicht kaufen.“
… die Vorgänge beim Frauen-Eishockey-Team: „Wenn etwas passiert, kommen kurzfristige Reaktionen, man darf nicht nur Zuschauer sein. Überall, wo unser Name drauf steht, ist win2day drinnen. Wir haben diese Haltung im Kurier unmissverständlich artikuliert. Und es ist immer eine Option, eine Beziehung zu beenden, wenn es nicht mehr passt, weil man Werte nicht nur haben, sondern sie auch leben muss. Es gibt auch hinsichtlich des Play Fair Code keine Ausreden: Wo Play Fair Code drauf steht, muss fairer Wettbewerb drinnen sein.“
… Auswirkungen auf einen Wettanbieter, wenn manipuliert wird: „Wir beobachten Formkurven von Athleten und Teams, mittlerweile auch KI-gestützt: Uns fallen außergewöhnliche Dinge sofort auf. Wenn manipuliert wird, tragen wir nämlich den Schaden. Wenn wir dennoch betroffen sind, werden wir schauen, wie wir unser Geld zurückbekommen. Aber das Netz ist in Österreich engmaschig, sodass Manipulationen eher im Ausland passieren, wo das Netz nicht dicht ist. “
… die Sponsoringstrategie, Männer, Frauen und Menschen mit Behinderung gemeinsam sichtbar zu machen: „Wir haben auch für die Erste Bank Open die Vision, Frauen und Rollstuhlspieler am Center Court zu haben. Weil jeder wie beim Lotto dieselben Chancen zu gewinnen haben soll. Das dauert aber noch. Beim Basketball im 3×3 haben wir es schon erreicht, obwohl die FIBA zuerst nicht wollte, dass die Rollstuhlbasketballer am selben Court vor dem Rathaus spielen. Als wir aufgrund dessen von einem Sponsoring Abstand nehmen wollten, haben sie ihre Meinung geändert.“