Medien stehen in Österreich vermehrt unter Druck. Ligaportal-Chef Thomas Arnitz erklärt bei sportsbusiness.at, wie sein Unternehmen der Krise zum Trotz wachsen kann und was andere Medien und Brands daraus lernen können.
+ + sportsbusiness.at exklusiv - Von Georg Sohler + +
Ein Medium zu finanzieren, ist alles andere als einfach – und das schon seit Jahren. Etwas besser ist die Lage im Special-Interest-Bereich, wo die Zielgruppen klarer definiert sind. Nutzer:innen sind dort oft eher bereit, für Inhalte zu bezahlen, weil diese ihr persönliches Hobby betreffen und nicht bloß allgemeine Informationen bieten.
Zudem gelten solche Zielgruppen als empfänglicher für thematisch passende Werbung. Dennoch bleibt es eine große Herausforderung, diese Potenziale wirtschaftlich zu heben. Das ist wichtig, nicht zuletzt aufgrund der Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).
„Die KI wird vieles automatisieren und vereinfachen – und so Mitarbeiter:innen von monotonen Aufgaben entlasten. Entscheidend ist aber, dass sich die KI das Vertrauen der User:innen erst verdienen muss“, stellt Ligaportal-Gründer Thomas Arnitz eingangs klar. Es gehe nicht darum, automatisiert den meisten Content zu produzieren, sondern durch den zielgerichteten Einsatz sowie die gesteigerte Informationsqualität eine noch stärkere Beziehung zur Community aufzubauen.
Im Interview mit sportsbusiness.at erklärt er anhand von Ligaportal, wie Medien sich in diesem Umfeld behaupten können. Zuvor aber ein Blick auf die zentralen Herausforderungen der Branche:
Herausforderungen der Branche
Neben dem öffentlichen rot-weiß-roten Sparzwang stellt die Google-KI-Vorschau Unternehmen vor Probleme. Sie verringert Traffic. „Die größten Veränderungen betreffen derzeit den Ursprung des Traffics und die Sichtbarkeit von Inhalten. Mit Formaten wie der Google-SGE (Search Generative Experience, Anm.) beginnt eine Phase, in der Suchmaschinen Inhalte zunehmend selbst darstellen – und damit den klassischen Klick auf Publisher-Seiten mittelfristig stark zurückdrängen werden. Für viele Medienhäuser stellt das eine ernsthafte Bedrohung dar“, sagt Arnitz.
Diese Inhalte (Anm. Live-Ticker) sind urheberrechtlich geschützt und unterliegen dem Datenbankschutzrecht. Eine Weiterverwendung ohne Zustimmung ist daher rechtlich unzulässig.
Thomas Arnitz, Gründer Ligaportal
Denn es gibt Anbieter, die 70 bis 80 Prozent ihrer Zugriffe über Google oder Discover generieren. Aus seiner Sicht ist das ein enormes Risiko, wenn sich die Spielregeln durch neue Algorithmen von einem Tag auf den anderen ändern.
Ligaportal nutzt die Möglichkeiten der KI, um das eigene Angebot weiterzuentwickeln. So werden bereits seit rund eineinhalb Jahren Spielberichte automatisch auf Basis der Tickerereignisse erstellt. Am letzten Oktober-Wochenende entstanden auf diese Weise 250 Spielberichte. Zudem wird derzeit mit Hochdruck an einem weiteren KI-Projekt gearbeitet.
Im Umgang mit KI zur Texterstellung empfiehlt Arnitz einen bewussten und überlegten Einsatz. Bei Ligaportal fasst die KI die vom Menschen beobachteten und festgehaltenen Ereignisse zusammen: „Wer KI hingegen unreflektiert einsetzt, riskiert Glaubwürdigkeit und journalistische Qualität.“
Eigene Daten als Alleinstellungsmerkmal
Das Ligaportal-Kerngeschäft, der Live-Ticker, umfasst rund 150 Ligen unterhalb der Regionalliga und wird durch hunderte Klassen im Frauen-, Nachwuchs- und Reservebereich ergänzt. Insgesamt werden auf Ligaportal jährlich rund 40.000 Spiele live übertragen. Das reicht von der Champions League bis zur 2. Klasse – ein in dieser Form einzigartiges Angebot im österreichischen Fußball.

„Diese Inhalte sind urheberrechtlich geschützt und unterliegen dem Datenbankschutzrecht. Eine Weiterverwendung ohne Zustimmung ist daher rechtlich unzulässig“, erklärt Arnitz und verweist dabei auf dieses bedeutende Alleinstellungsmerkmal (USP).
Die Entwicklung zeigt sich auch in den Zahlen: 85 Prozent Direct Traffic. Zwischen 2021 und 2025 stieg die Zahl der Besuche (Visits) von rund 6,9 auf knapp 12 Millionen pro Monat. Das ist ein Plus von rund 74 Prozent. Bei den Seitenaufrufen konnte der Wert von etwa 50 auf knapp 100 Millionen nahezu verdoppelt werden.
Im Mai 2025 verzeichnete zudem die Ligaportal-App laut ÖWA 82 Millionen Seitenzugriffe und war damit die größte Medien-App des Landes. Zum Vergleich: Die ORF-App kam im selben Zeitraum auf 66 Millionen. Mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 8:40 Minuten liegt Ligaportal laut ÖWA auf Platz zwei hinter Willhaben. Die drei Apps punkten jeweils mit Inhalten, die – bedingt durch ihre spezifischen Funktionen – in dieser Form und Aktualität ausschließlich dort abrufbar sind.
Entwicklung einordnen
Dass Ligaportal heute dort steht, wo es steht, hat mehrere Gründe. Eine wichtige Rolle bei der Stärkung der eigenen Resilienz spielten dabei wohl auch der Einstieg der Kleinen Zeitung im Jahr 2011 und die Übernahme von 74,9 Prozent durch die Styria Media Group im Jahr 2016. Die Unternehmensgruppe legt in ihrer Strategie großen Wert auf ihr starkes Netzwerk.
Wer zu sehr auf Social Media setzt, macht seine Sichtbarkeit vom Algorithmus einer Drittfirma mit eigenen Interessen abhängig.
Thomas Arnitz
Unabhängig davon erwies sich das Geschäftsmodell von Ligaportal als tragfähig. Im Jahr 2016 gehörte auch das inzwischen nicht mehr bestehende Portal sportnet.at zum Portfolio der Styria.
Ebenso muss man die Entwicklung einordnen: [...]