250 Entscheider:innen informierten sich beim sportsbusiness.at-WM-Summit 2026 über die Weltmeisterschaft aus den Blickwinkeln Politik, Medien, Sponsoren, Handel und Business. Den krönenden Abschluss bildete ein Experten-Talk mit Herbert Prohaska (ORF) und Florian Klein (ServusTV).
Sport ist zu einem Business geworden. Am Ende geht es aber in erster Linie um „höher, schneller, weiter“ – oder im Fall von Fußball darum, welche elf Männer oder Frauen am Ende mindestens ein Tor mehr als die Gegner geschossen haben. Kaum jemand kennt das WM-Feeling besser als die Austria-Legende, der ehemalige Nationalspieler und -trainer Herbert Prohaska: Er nahm am Feld an den WM-Endrunden 1978 und 1982 teil und betreute Österreich 1998 als Trainer.
Florian Kleins Karriere begann hingegen erst 2004 im Dress des LASK und führte ihn über den Stationen Austria Wien, Red Bull Salzburg und zuletzt wieder zurück zum FAK, wo er seine Karriere 2020 beendete. Somit ging sich für den 45-fachen Teamspieler „nur“ die Europameisterschaft 2016 aus. Vier Großereignisse aus verschiedenen Jahrzehnten Fußballgeschichte ergaben viel Stoff für das Panel „Experten-Talk“, den Ronny Leber moderierte.
Herbert Prohaska, ORF-Experte, über …
… die erste WM als Spieler: „Das ist zuerst einmal gewaltig, wir haben uns erstmals nach 20 Jahren qualifiziert. Wir wussten natürlich nicht, was auf uns zukommt. Es war auch niemand daran gewöhnt, so lange an einem Ort zusammen zu sein. Wir residierten einen Monat vor der WM in Argentinien im Hotel. Wenn die Nationalmannschaft von heute dort einmarschiert, wo wir waren, gehen sie gleich wieder raus. Ich bin aber nicht auf die heutigen Spieler neidisch. Bei der Auslosung haben wir uns übrigens keine großen Chancen ausgerechnet, und nach zwei Spielen waren wir Gruppensieger. Wir wussten damals selber nicht, wie gut wir hätten sein können.“
… die lange Zeit und die Laune im Teamhotel: „Wir mussten uns nicht extra um die Freizeitgestaltung kümmern. Die können heute auch Golf spielen. Man kann schon schauen, ob man ans Meer fährt. Die Spieler kommen schon zum Trainer und sagen, was sie brauchen. Du brauchst ein Auge auf die Stimmung. Wenn sich wer beschwert, muss man entgegenwirken.“
… den unterschiedlich großen Staff: „Heute nimmt Ralf Rangnick mit Spielern und Betreuern gut 60 Personen mit. Als ich Teamchef war, waren es 16 Spieler. Ich hab den Gigi Ludwig immer gefragt, ob ich 18 mitnehmen kann, dann müsste man keinen nachholen, wenn sich einer verletzt. Den hätte wegen der Kosten fast der Schlag getroffen.“
… die Unterschiede zwischen EM und WM: „Du hast die großen Südamerikaner mit dabei. Sonst sehe ich aber keinen großen Unterschied. Die Euro ist vielleicht sogar schwieriger, denn bei einer WM mit so vielen Mannschaften gibt es den einen oder anderen, den man leichter bezwingt.“
… Unterschiede zwischen damals und heute: „Der große Unterschied zum heutigen Fußball ist, dass die Taktik nicht so wichtig war. Wir haben auch kaum im taktischen Bereich trainiert, sondern sind überall herumgelaufen und wollten das Beste daraus machen.“
… taktische Ausrichtung in großen Ländern: „Mit Taktik bin ich erst in Italien in Berührung gekommen. Für meinen Fußball war die Manndeckung bei Inter schlecht, bei der Roma war die Raumdeckung besser. Die lernten wir, indem wir gegen unsere U21 gespielt haben, mit weniger Spielern. So lernst du das. Heute ist es fast zu viel Taktik. Die Schwachen, die gut eingestellt sind, machen einem große Probleme. Ich wäre damals nicht nach England mit dem Kick-and-Rush gegangen, da hätte ich ja auf zwei ‚Ochsen‘ zulaufen müssen – heute würde ich zu Fuß hingehen!“
… die Sommer-WM: „Die Hitze wird sicher ein Thema. 1994 war die WM in den USA, ich habe mir die Spiele von Irland angesehen, weil sie bei der kommenden Euro-Quali in unserer Gruppe waren. Mexiko gegen Irland in Orlando – ich dachte, ich bekomme beim Zum-Platz-Gehen einen Herzinfarkt. Gekühlt war da gar nichts. Heutzutage sind die Spieler aber top vorbereitet.“
… die letzte WM von Altstars bzw. alt vs. jung: „Ronaldo, Modric und Messi, das sind Ausnahmen. Sie sind körperlich fit, aber man sieht die Liebe zum Fußball. Warum sollten sie sonst Fußball spielen? Das Geld? Nein. Es ist rein die Liebe. Wenn Ronaldo fit ist, wird er seine Tore machen. Modric rennt wie vor zehn Jahren. Sie werden die Bestimmenden sein. Bei Argentinien gibt es neben Messi mehrere in hohem Alter. Ob sie es nochmals wiederholen können, glaub ich nicht.“
… die Chancen Österreichs: „Das erste Spiel ist das Wichtigste. Da bestimmst du, welchen Verlauf das Turnier nimmt. Aber es kommen auch die acht besten Dritten weiter, also bist du schon fast qualifiziert, wenn du es gewinnst. Dann kannst du dich gegen den amtierenden Weltmeister beweisen, musst aber nicht punkten.“
… Favoriten auf den Sieg: „Meine Favoriten sind Spanien, England, Frankreich, Deutschland, Argentinien und Brasilien. Es gibt aber genügend Nationen, die überraschen können.“
Die Highlights vom WM Summit im Video
Florian Klein, ServusTV-Experte, über …
… die Euro-Teilnahme 2016: „Die Spieler 1978 wussten nicht, wie gut sie waren, wir wussten es vielleicht zu gut. Die Euphorie war sehr groß, es war mein Kindheitstraum. Ein Großereignis ist aber auch schwierig, weil du drei Spiele in wenigen Tagen hast. Einige haben auch nicht das Level der Vormonate erreicht. Das war bitter.“
… die Vorbereitung: „Als Spieler kannst du dich nur auf dich selbst fokussieren. Man hat eine Pause, dann bereitet man sich vor. Marcel Koller hat auf das Rahmenprogramm geachtet, mit Mannschaftsabenden oder einer Radtour. Es waren damals viele Spieler im Ausland, und für viele war die Chance da, den nächsten großen Schritt zu machen. Ich konnte es nicht so richtig genießen, weil der Fokus, Leistung zu bringen, zu hoch war.“
… die Erfahrungswerte aus der Euro 2024 für die WM 2026: „Ich hätte schon gerne gegen andere Kontinente gespielt. Eine WM wäre da noch ein größeres Highlight, das hätte meine Karriere vollständig gemacht. Vom Gefühl her ist die WM größer als die EM. Aber die Abläufe werden ähnlich sein. Die Saison ist lang, es gibt eine kurze Vorbereitungszeit. Aber: Ungarn und Island hätten wir damals auch schlagen können, wenn nicht müssen.“
… Fußball unter Ralf Rangnick: „Ich bin vor der Euro 2016 von der Austria zu Salzburg gekommen. Bei den Veilchen hat man gepflegten Fußball gespielt, bei Salzburg war ich schockiert: Es ging weniger darum, wie man mit dem Ball spielt, sondern wie man gegen ihn spielt. Ralf Rangnick und Roger Schmidt meinten nach drei Wochen zu mir: Wenn du so spielst, hast du keine Chance. Ich musste mich umstellen.“
… das Training unter Karl Daxbacher: „Wir gaberlten, also hielten den Ball gemeinsam in der Luft. Daxbacher stand daneben und meinte, dass das damals nur der Herbert gekonnt hätte. Dann erzählte er, dass sie damals nur dem Herbert den Ball gegeben haben und hinten alles dicht gemacht haben. Ich finde so etwas sehr interessant, wenn verschiedene Generationen über Fußball sprechen. Bei Arsenal gegen Chelsea geht es heutzutage ja fast nur noch um Standardsituationen. Es wird also unfassbar detailliert gearbeitet. Alleine seit meinem Karriereende 2020 hat sich sehr viel geändert.“
… Hans Krankl als LASK-Trainer 2008: „Er hat gemeint, wir trainieren noch Abschlüsse. Er stand dann selber im Strafraum. Aber: Er hat allen das Gefühl gegeben, knapp unter Messi zu sein.“
… die erste WM mit 48 Mannschaften: „Ich erwarte mir wenig. Endrunden sind immer dann interessant, wenn sich etwas neu herauskristallisiert. Ich denke nicht, dass das so sein wird, man wird eher aufs Ergebnis schauen. Und bei 36 Grad wird keine Mannschaft pressen und sprinten. Das zeichnet uns aber aus – es wird also Umstellungen geben.“
… alte und junge Spieler: „Was am Feld passiert ist, wurde auf viele Schultern aufgeteilt. Vielleicht hat uns 2016 einer gefehlt. Ein älterer wie Vastic 2008 hätte eventuell geholfen. Es ist ja im heutigen Fußball so, dass die Spieler noch jünger sind.“
… die Chancen: „Ohne viel zu wissen, würde jeder erwarten, dass wir Jordanien und Algerien schlagen müssen. Aber schau, wo die spielen. Es gibt viele Nationen, die richtig gute Spieler mit dabei haben. Aber unser Team, diese ‚Familie‘, hat ein hohes Niveau. Sie müssen es schaffen, Jordanien zu schlagen. Sonst wird es wirklich stressig.“