Die FIFA hat ihre umstrittenen Pläne, Anteile an der Weltmeisterschaft an private Investoren zu verkaufen, nach massivem Widerstand zurückgezogen. FIFA-Präsident Gianni Infantino erklärte in der Nacht auf Samstag, der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt.
„Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, begründete er die Kehrtwende.
Den entscheidenden Druck hatte die UEFA ausgeübt, die nach einem Dringlichkeitstreffen mit einem WM-Boykott gedroht hatte. „Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, hieß es in einer Stellungnahme. „Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet.“
Auch die CONCACAF und der Asiatische Fußballverband AFC distanzierten sich klar von den Plänen. Die CONCACAF bezeichnete das Vorhaben als „Symptom für eine Führung, die aufgehört hat, den Fußball an erste Stelle zu setzen“ und forderte eine umfassende Aufarbeitung der Amtszeit Infantinos. Selbst innerhalb der FIFA bröckelte die Unterstützung: Carlos Cordeiro, hochrangiger Berater Infantinos und früherer Präsident des US-Verbandes, trat aus Protest zurück. „Es ist ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports“, schrieb er auf LinkedIn.
Auch aus Österreich gibt es eine klare Reaktion: ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll begrüßte den Rückzug, mahnte aber zur Aufarbeitung. „Es war ein erster richtiger Schritt, dieses Thema vom Tisch zu nehmen. Die Pläne haben den Fußball weltweit in seinen Grundfesten erschüttert, und viel Vertrauen ist verloren gegangen. Es sind viele Fragen offen“, sagte Pröll.