Wenige Wochen vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat die FIFA laut mehreren Berichten weiterhin keine TV- und Streamingvereinbarungen für Indien und China abgeschlossen. Damit bleibt die Übertragung des Turniers in zwei der bevölkerungsreichsten Länder der Welt vorerst ungeklärt.
Die FIFA hat die Medienrechte nach eigenen Angaben bereits in mehr als 175 Märkten vergeben. Dass ausgerechnet in China und Indien noch keine Einigung erzielt wurde, gilt angesichts der hohen Reichweiten in beiden Ländern als bemerkenswert.
Laut FIFA erreichten Inhalte rund um die WM 2022 in Katar insgesamt 1,16 Milliarden Menschen in China und 746 Millionen in Indien. Besonders stark war dabei die Nutzung digitaler und sozialer Plattformen. In China verfolgten zudem rund 509,8 Millionen Menschen die linearen TV-Übertragungen, in Indien lag die lineare Reichweite bei 83,8 Millionen Zuschauern.
Berichten zufolge fordert die FIFA in Indien weiterhin deutlich höhere Summen für die Übertragungsrechte. Reuters berichtet, dass Jio Hotstar zuletzt rund 20 Millionen US-Dollar geboten habe, nachdem die FIFA ihre ursprüngliche Forderung von 100 Millionen US-Dollar bereits reduziert hatte.
Als Herausforderungen gelten unter anderem die Zeitverschiebung zwischen Nord- und Südamerika sowie die vergleichsweise geringe Verbreitung von Pay-TV im indischen Markt. Zudem dominiert Cricket weiterhin den indischen Sportmarkt.
Auch in China gibt es bislang keine Einigung mit dem staatlichen Fernsehsender CCTV, der traditionell die Weltmeisterschaft überträgt. Gründe für die Verzögerung wurden bisher nicht bekannt.
Die ausstehenden Abschlüsse bergen laut Berichten mehrere Risiken. Neben möglichen Reichweitenverlusten könnte auch die Piraterie zunehmen, falls Fans auf illegale Streamingangebote ausweichen. Gleichzeitig fehlen den potenziellen Rechtepartnern wertvolle Wochen für die Vermarktung ihrer Berichterstattung.
Als mögliche Alternative könnte die FIFA das Turnier über ihre eigene Plattform FIFA+ anbieten. Ein solcher Schritt würde allerdings lokale Broadcaster umgehen und könnte Auswirkungen auf den langfristigen Wert der Medienrechte haben.
Bereits in der Vergangenheit hatte die FIFA TV-Verhandlungen bis kurz vor Turnierbeginn offen gehalten. Ähnliche Situationen gab es unter anderem rund um die Frauen-Weltmeisterschaft 2023 sowie die Klub-WM.