Am 5. November feierte der Film „Querschnitt“ seine Premiere. Die Dokumentation widmet sich anhand von persönlichen Schicksalen dem Thema Querschnittslähmung. sportsbusiness.at hat mit der Wings for Life-Vorstandsvorsitzenden Anita Gerhardter über den Film, die Wichtigkeit von Awareness und den Weg zu einer Heilung gesprochen.
+ + sportsbusiness.at exklusiv – von Georg Sohler + +
Ein einziger Moment kann das Leben komplett verändern. Das weiß Delia Guggenheim. Die Sportlerin wurde beim Rennradfahren von einer Autofahrerin unter Drogeneinfluss angefahren. Österreichs Rollstuhltennisspieler Nico Langmann war erst zwei Jahre alt, als er in einen Autounfall verwickelt war.
Neben diesen beiden sprechen in der Dokumentation „Querschnitt“ auch Thibaud Coudriou und Sam Bloom über ihr Schicksal, das sie zu bewältigen haben. Durch die Dokumentation führt Skistar Lindsey Vonn. Die Rennläuferin ist von einer Rückenmarksverletzung verschont geblieben, sie weiß aber, was es heißt, nach schweren Verletzungen über Monate auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.
Die Botschaft von „Querschnitt“ ist deutlich: Es ist möglich, Freude, Hoffnung und Perspektive wiederzufinden. Die zentrale Frage lautet: „Was würdest du tun, wenn es eine Heilung für Querschnittslähmung gäbe?“ Seit dem Unfall von Hannes Kinigadner im Jahr 2003 verfolgt die von seinem Vater Heinz Kinigadner und Dietrich Mateschitz gegründete Stiftung Wings for Life das Ziel, eine Heilung für Querschnittslähmung zu finden.
Neben dem Film gibt es seit 2014 den Wings for Life World Run, der insgesamt 69,7 Millionen Euro für die Forschung gesammelt hat. sportsbusiness.at hat mit der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Anita Gerhardter, über den Film, den Sport als Awareness-Tool für medizinische Forschung und den gegenwärtigen Stand im Kampf gegen Rückenmarksverletzungen gesprochen.
Querschnittslähmung ist kein Phänomen des Leistungs- oder Extremsports. Im Gegenteil: Nur rund drei Prozent der Rückenmarksverletzungen entstehen beim Extremsport. Das zeigt: Eine Querschnittslähmung kann jeden treffen.
Anita Gerhardter, Vorstandsvorsitzende Wings for Life Run
sportsbusiness.at: Bevor wir über den Film „Querschnitt“ sprechen: Das Sportpublikum erwartet sich von Sportler Höchstleistungen, das heißt, man geht an seine Grenzen und gegebenenfalls darüber hinaus: Welche Verantwortung tragen hierbei Sponsoren für ihre Athlet?
Anita Gerhardter: Sportler gehen in ihrem Beruf immer wieder an ihre Grenzen. Gleichzeitig ist es wichtig, verantwortungsvoll mit Risiken umzugehen. Dabei tragen alle Beteiligten Verantwortung: die Athleten selbst, ihre Teams, Veranstalter und natürlich auch Sponsoren.
Was mir aber wichtig ist: Querschnittslähmung ist kein Phänomen des Leistungs- oder Extremsports. Im Gegenteil: Nur rund drei Prozent der Rückenmarksverletzungen entstehen beim Extremsport. Etwa die Hälfte ist auf Verkehrsunfälle zurückzuführen, knapp ein Viertel auf Stürze. Weitere Ursachen sind beispielsweise Gewalttaten oder Unfälle beim Freizeitsport.
Das zeigt: Eine Querschnittslähmung kann jeden treffen. Durch einen Autounfall, einen Sturz auf der Treppe oder beim Skifahren. Von einem Moment auf den anderen kann sich ein Leben komplett verändern. Genau das zeigt die Dokumentation sehr eindrücklich.

sportsbusiness.at: Die Protagonisten Sam Bloom, Delia Guggenheim, Thibaud Coudriou und Nico Langmann wurden auf ganz unterschiedliche Weise querschnittsgelähmt. Wings for Life setzt sich dafür ein, dass Querschnittslähmung geheilt wird. Wie hat sich der Kampf seit Hannes Kiniganders Unfall 2003 verändert?
Gerhardter: Hannes Kinigadners Unfall war der Ausgangspunkt einer zentralen Frage: Warum gibt es für Querschnittslähmung keine Heilung? Aus dieser persönlichen Erfahrung heraus haben Heinz Kinigadner und Dietrich Mateschitz gemeinsam Wings for Life gegründet. Mit einer klaren Mission: eine Heilung für Querschnittslähmung [...]