In den letzten Jahrzehnten fiel Wienerberger nicht als großer Sportsponsor auf. Das änderte sich in kleinerem Rahmen. Welche Ziele damit verfolgt werden, welche Rolle Sport im Unternehmen spielt und wieso man als großer, rot-weiß-roter Konzern in Sachen Sportsponsoring nicht präsenter ist, erklärt Wilfried Lechner, Country Head of Marketing & Communications, im sportsbusiness.at-Interview.
+ + sportsbusiness.at exklusiv - von Georg Sohler + +
Wirft man einen Blick auf medial präsente Sponsoren, so taucht Baustoffhersteller Wienerberger eher selten auf - am ehesten noch in einer Rückschau auf die 1970er, als man sogar im Namen des SK Rapid präsent war. Diese Zeiten sind aber lang vorbei.
Und angesichts schrumpfender TV-Gelder, kleiner werdender öffentlicher Fördertöpfe und mehrfach umzudrehende Sponsoren-Euros fragen sich Fans und Sportszenevertreter: Wo sind die großen heimischen Unternehmen und ihr Sport-Engagement?
In Sachen B2B-Kommunikation tritt Wienerberger mit der Dachmarken-Kampagne „Baugefühl“ vermehrt im Sport auf. Der offizielle Launch erfolgte im Rahmen des Derbys zwischen Austria und Rapid in der Generali Arena; auch der SK Sturm wurde als Kooperationspartner erwähnt. sportsbusiness.at hat mit Wilfried Lechner, Country Head of Marketing & Communication bei Wienerberger, gesprochen, um die Hintergründe zu erfahren - und warum ein so großer Konzern nicht noch breiter als Partner des Sports auftritt.
sportsbusiness.at: Welche allgemeine Rolle spielt Sport in der Unternehmensorganisation?
Wilfried Lechner: Sport spielt bei Wienerberger vor allem dort eine Rolle, wo er glaubwürdig zu unseren Werten passt: Teamgeist, Leistungsbereitschaft, Fairness, Gesundheit und gesellschaftliche Verantwortung. Wir sehen Sport nicht primär als reine Werbefläche, sondern als Plattform, um Menschen zu verbinden – intern wie extern.
sportsbusiness.at: Als großer Sponsor trat man zuletzt nicht auf. Wieso hält man sich generell eher zurück?
Lechner: Die Zeit, als Wienerberger als Hauptsponsor eines Vereins aufgetreten ist, liegt fast 50 Jahre zurück: Damals spielte ‚Rapid Wienerberger‘ mit Hans Krankl in der Bundesliga. Wir haben traditionell keinen Ansatz verfolgt, über große Sportsponsorings Sichtbarkeit zu kaufen. Unsere Kommunikation war lange stark produkt-, markt- und B2B-orientiert. Sponsoring muss für uns einen klaren inhaltlichen Fit haben und darf nicht nur Logo-Präsenz sein. Deshalb agieren wir bewusst selektiv und setzen lieber auf langfristige, glaubwürdige Partnerschaften. Aber: in der Südsteiermark sind wir über unsere Marke Tondach seit mehr als einem halben Jahrhundert Hauptsponsor und Namensgeber des SV Tondach Gleinstätten. Hier ist der Sitz unseres größten Dachziegelwerks – dieses Engagement sorgt für enorme regionale Verbundenheit.
Leistungssport steht für Eigenschaften wie Disziplin, Ausdauer und Leistungsbereitschaft – Werte, die auch in einem Industrieunternehmen wichtig sind.
Wilfried Lechner, Country Head of Marketing & Communication bei Wienerberger
sportsbusiness.at In den letzten Monaten wurden Sponsorings von Austria, Rapid und Sturm bekannt. Welche Ziele verfolgen Sie hierbei?