Mit dem Equal Racing Day am Red Bull Ring hat die Initiative Equal Play von win2day und den Österreichischen Lotterien ihren Fokus erstmals gezielt auf den Motorsport ausgeweitet. Im Mittelpunkt stand die Frage, warum Frauen trotz entsprechender Voraussetzungen im Spitzenmotorsport noch immer deutlich unterrepräsentiert sind.
Der Equal Play Day setzt sich seit 2024 für mehr Sichtbarkeit und Chancengleichheit im Frauensport ein. Mit dem Equal Racing Day wurde dieses Engagement nun auf eine Sportart ausgeweitet, die nach wie vor stark männlich geprägt ist. Vertreter:innen aus Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien kamen am Red Bull Ring zusammen, um über bestehende Hürden und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Zuvor stand allerdings der Erlebnisfaktor im Vordergrund. Zum Einstieg konnten die Teilnehmenden unter Anleitung von Patrick Friesacher selbst auf der Rennstrecke an den Start gehen – zunächst in einem Porsche Cayman und später in einem Formel 4-Auto.
Auch sportsbusiness.at war unter den eingeladenen Medienvertreter:innen vor Ort. Neben den Gesprächen und Programmpunkten am Red Bull Ring entstand ein Highlightvideo.
Im Zentrum der Veranstaltung stand die Frage, weshalb trotz Talent, Leistungsfähigkeit und wissenschaftlicher Erkenntnisse vergleichsweise wenige Frauen den Sprung an die Spitze des Motorsports schaffen. Laut den Veranstaltern liegen die größten Herausforderungen häufig nicht in den sportlichen Voraussetzungen, sondern in fehlender Sichtbarkeit, begrenzten Fördermöglichkeiten, Netzwerken und Finanzierungsstrukturen.
„Mit Equal Play wollen wir nicht nur Aufmerksamkeit schaffen, sondern konkrete Zukunftsthemen im Sport sichtbar machen. Gerade im Motorsport sehen wir enormes Potenzial – aber auch strukturelle Hürden, die bis heute bestehen. Unser Ziel ist es, Sichtbarkeit und Vorbilder zu schaffen und jene Menschen zusammenzubringen, die aktiv an Veränderung arbeiten“, erklärte Erwin van Lambaart, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Lotterien.
Zu den Gästen des Equal Racing Day zählten unter anderem Motorsport-Expertin Corinna Kamper-Campisi, Ex-Formel-1-Pilot Alexander Wurz, Nachwuchsfahrerin Ivonn Simeonova sowie Vertreterinnen der internationalen Initiative „More than Equal“. Unterstützung kam außerdem von prominenten Persönlichkeiten wie Virginia Ernst, Conny Kreuter, Thomas Muster und Jakob Seeböck.
Ein zentraler Programmpunkt war die Vorstellung der Initiative „More than Equal“, die von Karel Komárek und David Coulthard gegründet wurde. Das Ziel des Programms ist die Entwicklung der ersten weiblichen Formel-1-Weltmeisterin. Dabei setzt die Initiative auf wissenschaftliche Forschung, gezielte Talentförderung und langfristige Entwicklungsprogramme.
„Die Diskussion darüber, ob Frauen Motorsport auf höchstem Niveau betreiben können, sollte längst vorbei sein. Entscheidend ist nicht das Geschlecht, sondern ob Talente früh erkannt, professionell gefördert und auf ihrem Weg unterstützt werden“, betonte Alexander Wurz.
Auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse von „More than Equal“ weisen laut den Verantwortlichen darauf hin, dass Frauen die körperlichen und kognitiven Voraussetzungen für Spitzenleistungen im Motorsport mitbringen. Entscheidend seien vielmehr die Rahmenbedingungen.












„Die wissenschaftliche Evidenz zeigt klar, dass Frauen das Potenzial für Spitzenleistungen im Motorsport mitbringen. Die Herausforderung besteht nicht darin, Talent zu finden, sondern darin, die richtigen Entwicklungswege, Förderstrukturen und Chancen zu schaffen, damit sich dieses Potenzial entfalten kann“, sagte Fran Longstaff, Chief Innovation Officer bei „More than Equal“.
Besonders wichtig sei dabei die öffentliche Wahrnehmung von Fahrerinnen. „Wer heute im Motorsport erfolgreich sein möchte, braucht Talent, harte Arbeit und das richtige Umfeld. Gerade für junge Fahrerinnen ist Sichtbarkeit entscheidend, denn sie schafft Vorbilder, Aufmerksamkeit und letztlich auch neue Möglichkeiten“, erklärte Corinna Kamper-Campisi.
Dass bereits eine neue Generation an Talenten nachrückt, zeigte die Anwesenheit von Ivonn Simeonova. Die österreichische Nachwuchsfahrerin ist Teil des Förderprogramms von „More than Equal“ und verfolgt ambitionierte Ziele.
„Programme wie „More than Equal“ zeigen jungen Fahrerinnen, dass große Träume im Motorsport realistisch sein können. Für meine Generation ist es wichtig zu sehen, dass es Menschen gibt, die an uns glauben und uns auf diesem Weg unterstützen. Und mein Ziel ist klar: Ich möchte die erste weibliche Formel 1 Weltmeisterin werden“, sagte Simeonova.
Der Equal Racing Day verstand sich dabei nicht als klassische Motorsportveranstaltung, sondern als Plattform für Austausch, Sichtbarkeit und Zukunftsperspektiven. Die zentrale Botschaft des Tages war klar: Die Frage lautet nicht mehr, ob Frauen im Motorsport erfolgreich sein können, sondern wie die Rahmenbedingungen gestaltet werden müssen, damit sie ihre Potenziale vollständig entfalten können.