Mehrere Vereine aus der französischen Ligue 1 drängen auf rasche strukturelle Veränderungen im Profifußball. Hintergrund sind wirtschaftliche Probleme, Spannungen bei den Medienrechten sowie anhaltende Diskussionen über die Governance der Liga.
In einem Gastbeitrag in der Zeitung Le Monde warnten die französischen Senatoren Laurent Lafon und Michel Savin vor einer zunehmenden wirtschaftlichen und organisatorischen Krise im französischen Profifußball. Sie fordern, dass die Nationalversammlung rasch über ein Gesetz zur Organisation, Verwaltung und Finanzierung des Profisports berät. Der entsprechende Gesetzesentwurf wurde bereits im Juni 2025 vom Senat mit breiter Unterstützung beschlossen, wartet jedoch weiterhin auf die Behandlung in der zweiten Parlamentskammer.
Nach Ansicht der beiden Politiker verschärft die Verzögerung die finanziellen Herausforderungen der Vereine. Auch die wirtschaftliche Situation der Ligue 1 gilt als angespannt. So meldete der Investor CVC Capital Partners zuletzt einen Rückgang des Wertes seiner Beteiligung an der Liga. Zudem zeigen Daten der UEFA laut den Senatoren deutliche finanzielle Ungleichgewichte zwischen den Klubs.
Eine zentrale Rolle spielen dabei die Medienrechte, die für viele Vereine eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellen. Gleichzeitig stellt die weit verbreitete illegale Übertragung von Sportereignissen ein wachsendes Problem dar. Laut den Angaben sehen nahezu 20 Prozent der französischen Zuschauer Sportinhalte über illegale Streams, wobei etwa die Hälfte davon auf Fußball entfällt. Die bestehenden Maßnahmen gegen Piraterie gelten im europäischen Vergleich als wenig effektiv.
Zusätzlichen Druck erzeugte auch die Entscheidung der Liga, nach Konflikten mit Rechteinhabern eine eigene Direct-to-Consumer-Plattform zu starten. Dieses Modell verursachte laut den Senatoren erhebliche finanzielle Verluste.
Neben wirtschaftlichen Fragen sehen die Politiker auch strukturelle Probleme in der Organisation des Profifußballs. Sie verweisen unter anderem auf den Rücktritt von Nicolas de Tavernost, der seit April 2025 die Vermarktungsorganisation LFP Media leitete, sowie auf schwierige Beziehungen zwischen Liga, Vereinen und Medienpartnern.
Der Gesetzesentwurf sieht unter anderem Maßnahmen zur Reform der Liga-Governance, strengere Regeln zur Vermeidung von Interessenskonflikten, eine bessere finanzielle Transparenz sowie Instrumente zur Bekämpfung illegaler Übertragungen in Echtzeit vor. Zudem soll die Einführung von Unternehmensstrukturen für Vereine nach dem Vorbild englischer Klubs ermöglicht werden.
Unterstützung erhält die Initiative auch aus der Liga selbst. Sieben Vereine – Olympique Marseille, RC Lens, Le Havre, Stade Rennes, Paris FC, Olympique Lyon und FC Metz – haben sich öffentlich für eine rasche Behandlung des Gesetzes ausgesprochen. Bei Gesprächen mit Regierungsvertretern warnten Klubverantwortliche davor, dass weitere Verzögerungen die wirtschaftliche Situation verschärfen, die Wettbewerbsfähigkeit der Liga schwächen und Investitionen in Infrastruktur und Spieler erschweren könnten.
Trotz der zunehmenden Forderungen nach Reformen rückt das Thema aktuell politisch in den Hintergrund. Der Konflikt im Nahen Osten dominiert derzeit die politische Agenda in Frankreich, wodurch innenpolitische Themen wie die Reform der Fußball-Governance vorerst weniger Aufmerksamkeit erhalten.