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„Sport hat das Potenzial, die Welt wieder näher zueinander zu bringen“ [Exklusiv]

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Was erwartet Österreich in den USA – und welche Wünsche hat der Fußball an die Politik? Im Rahmen des sportsbusiness.at-WM Summit 2026 diskutierten Michaela Schmidt (Staatssekretärin BMWKMS) und Josef Pröll (Aufsichtsratsvorsitzender ÖFB) über Sport, Förderungen, die Breite, das Nationalstadion und Großereignisse in Österreich.

Über 250 Entscheider:innen trafen sich drei Monate vor Ankick der Fußballweltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko im Julius-Raab-Saal der Wirtschaftskammer Österreich zum „WM Summit 2026“. Das von sportsbusiness.at ausgerichtete Event widmete sich den Chancen, die die WM Österreich bietet, aus zahlreichen Blickwinkeln. Nach einleitenden Worten durch Hausherrin Eva Liebmann (Stellvertretende Generalsekretärin der WKO) diskutierten Sportstaatssekretärin Michaela Schmidt und ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Josef Pröll politische, rechtliche und sportliche Fragen im Spannungsfeld von Sport und Politik.

Die Highlights im Video

Die besten Fotos des Panels „Politik & Sport“

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Die besten Aussagen

Michaela Schmidt, Staatssekretärin BMWKMS, über …

… die Fußball-WM: „Die Politik ist schnelllebig; aktuell bin ich im Kopf noch bei den Paralympics. Aber drei Monate vergehen schnell. Ich habe die WM vor 28 Jahren erlebt und bin ein großer Fan – es freut mich sehr, dass wir wieder mit dabei sind. Österreich liebt den Fußball, hat neun Millionen Teamchefs – die Euphorie wird groß sein.“

… die vom ÖFB und Teamchef Rangnick unterstützte Initiative zur täglichen Bewegungseinheit sowie „TWOgether“: „Die Fußballer:innen sind Vorbilder; durch sie sollen sich Kinder und Jugendliche für Sport interessieren und mehr in die Vereine kommen. Fußball ist zudem der Grund, warum 30 Prozent der Burschen das Bewegungsziel von einer Stunde am Tag erreichen, aber nur 17 Prozent der Mädchen. Beim Projekt „TWOgether“ gibt es in jedem Bundesland eine Frau aus dem Spitzensport, die den Weg von der Schulklasse auf den Fußballplatz stärken soll. Es geht darum, die Mädchen zu dieser leicht zugänglichen und günstigen Sportart, die man fast überall spielen kann, zu bringen. Ein feministischer Aspekt: Männer und Frauen sollen gleich behandelt und gefördert werden.“

… die Stellung des Fußballs in der Spitzen- und Breitensportförderung: „Die Breiten- und Spitzensportförderung erfolgt völlig zu Recht. Die Sportförderung richtet sich generell nicht nach Medaillen. Während sich andere Länder auf wenige Sportarten konzentrieren und andere nicht fördern, ist unser Ziel, dass es ein breites Angebot gibt und jede:r einen Sportverein findet.“

… die besondere Sportförderung 2027: „Das Budget der besonderen Sportförderung ist 2027 und 2028 wieder auf dem ursprünglichen Niveau. Es geht um Sicherheit und Planbarkeit. Warum dies ohne Budgetverhandlungen geht? Weil es in der allgemeinen Sportförderung zahlreiche abgeschlossene Bauprojekte gibt, die Spielraum ermöglichen. Es gab die vierjährigen Förderperioden, aber die Athlet:innen für Brisbane 2032 sind jetzt schon in den Leistungszentren. Und es geht nicht nur um die Sportler:innen selbst, sondern auch um alle anderen Personen, die im Sport arbeiten.“

… das Nationalstadion: „Aufgrund der Budgetsituation werden wir kein Nationalstadion realisieren können. Wir müssen aber diese Zeit, in der es keine finanziellen Mittel gibt, nutzen, um vorbereitet zu sein. Wir prüfen viele Punkte. Im Ministerium ist neben Sport unter anderem der Denkmalschutz angesiedelt. Wir sprechen mit der Stadt Wien und erstellen einen Zeitplan. Aus meiner Sicht ist es notwendig, dass es kein reines Fußballstadion ist. Der ÖFB bespielt es ca. fünf Tage im Jahr – was passiert die restlichen 360 Tage?“

… den Sportstättenüberblick: „Der Überblick über die Sportstätten wurde immer angekündigt, aber es gab nie eine Einigung mit den Bundesländern. Das haben wir mittlerweile geschafft. Infrastruktur wird nicht optimal genutzt, wie etwa Sportplätze und Hallen in Schulen, die dem Vereinssport an Wochenenden und in den Ferien nicht zugänglich sind. Man muss nicht nur neu bauen, sondern man muss Vorhandenes nutzen. Ich weiß, der Fußball will ein Nationalstadion, aber es gibt infrastrukturell auch andere Baustellen, und die Politik muss Prioritäten setzen. Und es existieren große Lücken, etwa bei Schwimmhallen – da geht es nicht nur um Sport, es ertrinken jährlich 60 Menschen.“

… die Weltlage: „Seit Monaten sehen wir, wie sich die Situation in den USA entwickelt. Ich sehe den Umgang mit der eigenen Bevölkerung und offene Drohungen gegen Grönland sehr kritisch. Die Offenlegung der Social-Media-Daten bei der Einreise erinnert mich zudem an dunkle Zeiten der österreichischen Geschichte. Es muss jeder Fan selbst entscheiden, ob man dieses Risiko eingeht. Ich finde es bedenklich, wenn wir uns international von der Stärke des Rechts hin zum Recht des Stärkeren entwickeln.“

Michaela Schmidt im Video-Interview

… politische Äußerungen von Sportler:innen: „Ich halte nichts davon, dass man Athlet:innen, die sich jahrelang vorbereiten, für Dinge verantwortlich macht, an denen die Politik schuld ist. Als Bundesregierung haben wir uns etwa klar gegen die Teilnahme Russlands bei den Paralympics ausgesprochen und an der Eröffnungsfeier nicht teilgenommen. Jede:r Sportler:in hat das absolute Recht, sich zu Politik zu äußern, weil Sport nie unpolitisch ist.“

… Großereignisse im Allgemeinen und in Österreich: „Sport hat das Potenzial, die Welt wieder näher zueinander zu bringen. Wenn ein WM-Finale ist, schaut die halbe Welt zu. Diesen verbindenden Charakter muss man hervorheben. Zwar gewinnt einer, aber trotzdem können die allermeisten gemeinsam feiern. In Österreich gibt es auch immer wieder Großveranstaltungen, etwa die Ski-WM. Als Regierung wollen wir strategischer vorgehen. Es müssen vor allem Infrastrukturfragen geklärt werden, um zu wissen, für welche Großereignisse man sich bewerben kann.“

Josef Pröll, Aufsichtsratsvorsitzender des ÖFB, über …

… das Fußball-WM-Fieber und die Planungen: „Die Vorbereitung ist voll im Laufen. Es ist alles eingetaktet und angerichtet – auch für den Breitensport. Die über 2.000 Vereine sollen motiviert werden, die Mädchen und Burschen zu bewegen: Mehr Bewegung, weniger Social Media würden vielen gut tun. Wir waren beim FIFA-Workshop, da geht es um Planung und FIFA-Fragen. Unser Team war danach in Santa Barbara im Hotel, um alles zu planen. Die Mannschaft soll nicht nur ein tolles Hotel haben, die Spieler müssen in jeder Hinsicht fit bleiben.“

… Sicherheit in den USA: „Es wird eine Taskforce eingerichtet, die vor Ort informieren wird. Das ist eine staatliche Aufgabe und wird mit dem Außen- und Innenministerium koordiniert, der ÖFB wird sich einbringen: Die Informationsleistung ist, dass es Ansprechpartner, Telefon und Verhaltensregeln vor Ort gibt. Es soll für die Fans nichts schiefgehen. Vom Interesse der Fans sind wir sehr angetan, es wird allerdings anders als bei der Euro in Deutschland wird.“

… politische Äußerungen: „Meinungsfreiheit ist heilig, egal ob Sportler:in oder nicht. Wie soll man damit umgehen? Sport ist immer politisch, aber nie parteipolitisch. Wenn er das wird, wird er missbraucht. Ich sehe keinen Grund, über einen Boykott nachzudenken.“

… die Verantwortung des Sports für Österreich: „Man spürte schon bei den Olympischen Spielen die Freude und jetzt gibt es eine große Vorfreude auf die WM. Gemeinsam mit unseren Medienpartnern ORF, ServusTV und der Kronen Zeitung werden wir die Kampagne „We are from Austria“ launchen, um einen richtig zu verstehenden Nationalstolz zu zeigen. Alle Österreicher bringen täglich tolle Leistungen. Das hat eine politische Konnotation, aber keine parteipolitische. Wir wollen zusammenrücken, Leistungen in den Vordergrund stellen und auf das Erreichte stolz sein. Das kann man herzeigen. Es ist bei allen Krisen gut, Mut zu schöpfen.“

… „TWOgether“: „Ein tolles Projekt, um Mädchen aus der Schule in den Verein zu bekommen. Wir machen das mit Profis, die unglaublichen Ehrgeiz und Positivität an den Tag legen. Ich bin überzeugt, dass wir die Breite steigern können und somit die Spitze stärken. Es geht nicht nur um Gleichberechtigung, es ist eine klare Ansage an andere Bereiche in Wirtschaft und Gesellschaft.“
… die Sonderrolle des ÖFB hinsichtlich der Spitzen- und Breitensportförderung: „Es ist eine große Verantwortung, wenn die Politik Geld bereitstellt. Sie hat zurecht Ansprüche, dass dieses richtig eingesetzt wird. Fußball bringt über jedes Wochenende 500.000 Menschen auf die Plätze, von den Spieler:innen bis zu Funktionär:innen und Fans. Das Geld ist also gut angelegt. Denn durch die Leistungszentren und Akademien können wir die Spitze fördern – das eine bedingt das andere.“

… Erwartungen des ÖFB an die Politik: „Planbarkeit, Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit sind wichtiger als jährliche Steigerungen. Wir haben als Verbände die Aufgabe, unsere Eigenleistungen zu erbringen.“

Josef Pröll im Video-Interview

… den gesellschaftlichen Mehrwert: „Der Fußball hat einen volkswirtschaftlichen Wert von 2,9 Mrd. Euro. Wir hebeln jeden Euro um das 27-Fache – ein ROI, der sich sehen lassen kann. Die Infrastrukturfrage ist davon getrennt zu betrachten. Mit dem neuen Standort in Aspern haben wir in einer Drittelfinanzierung etwas geschafft, das einen großen Ansturm ausgelöst hat.“

… das Nationalstadion: „Wir als ÖFB können kein Nationalstadion bauen, haben aber die Vorstellung, eines zu verwirklichen. Dass es eines braucht, merkt jeder, der das jetzige besucht. Eine moderne Multifunktionsarena ist also notwendig, aber wir üben in dieser budgetären Situation keinen Druck aus.“

… Infrastruktur im Allgemeinen: „Sportstätten sind aber nicht das zentrale Problem des Fußballs, weil es dazu nicht immer einen UEFA-genormten Platz braucht. Aber wir haben Interesse an Sportstätten in den Schulen, und durch Datenbanken erhöht sich der Druck, die Situation zu lösen.“

…. Großereignisse: „Am 12. August findet der europäische Supercup in Salzburg statt. Eine klare Ansage. Das sagt auch etwas über Wien aus. Wir werden uns um die U21-WM 2029 bewerben. Die entsprechenden Beschlüsse gibt es. Es gibt Mitbewerber, für so ein Event haben wir aber die Infrastruktur und wir wollen sie bekommen.“

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