Der österreichische Sporthändler Hervis steht kurz vor einem Eigentümerwechsel. Der bisherige Eigentümer Spar soll sich von der Tochtergesellschaft trennen wollen, der Verkaufsprozess befindet sich demnach im Endspurt und könnte bereits in den kommenden Tagen abgeschlossen werden.
Wie derstandard.at berichtet, wird der deutsche Investor Sven Voth als möglicher Käufer genannt. Voth ist Gründer der Streetwear- und Sneakerkette Snipes, die er 1998 ins Leben rief und später an die Deichmann-Gruppe übergab. Nach seinem Rückzug aus der operativen Führung im Jahr 2024 gründete er in Österreich die Beteiligungsgesellschaft Black Mass und gilt als aktiver Investor im Handelsbereich.
Hervis ist seit Jahren wirtschaftlich unter Druck. Der Konzern leidet unter rückläufigen Umsätzen in zentralen Segmenten wie Fahrrädern, hoher Rabattintensität im stationären Handel sowie zunehmender Onlinekonkurrenz. 2024 beschäftigte Hervis rund 1.350 Mitarbeitende und erzielte einen Umsatz von 253 Millionen Euro, wies dabei jedoch einen Verlust von 43 Millionen Euro aus. In den beiden Jahren davor summierten sich die Verluste laut Bericht auf insgesamt 113 Millionen Euro.
In den vergangenen Jahren zog sich Hervis schrittweise aus mehreren Auslandsmärkten zurück. Die Standorte in Ungarn und Rumänien wurden verkauft, aus Tschechien erfolgte bereits 2022 der Rückzug. In Österreich betreibt Hervis weiterhin knapp hundert Filialen und zählt damit zu den flächendeckendsten Sporthändlern des Landes.
Spar äußerte sich auf Anfrage zurückhaltend und bestätigte lediglich, dass derzeit mehrere strategische Optionen für Hervis geprüft würden. Auch von potenzieller Käuferseite gab es bislang keine offizielle Stellungnahme zum Deal. Der Abschluss der Transaktion steht zudem noch unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Genehmigungen.
Der mögliche Verkauf von Hervis reiht sich in eine Phase grundlegender Veränderungen im österreichischen Sporthandel ein. Mehrere große Anbieter kämpfen mit Verlusten und haben in den vergangenen Monaten Filialen geschlossen oder ihr Geschäftsmodell angepasst. Branchenvertreter verweisen auf steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und strukturelle Herausforderungen, die den Markt weiter unter Druck setzen.